Gary Clark Jr. – The Story Of Sonny Boy Slim

Wenn man Gary Clark Jr. in der Vergangenheit schon gerne mal als „Zukunft des Blues“ bezeichnet hat, war das eine zwiespältige Angelegenheit: Diejenigen, in in ihm den nächsten Gitarrenhelden a la Stevie Ray Vaughan sehen wollten, sollten spätestens mit seinem neuen Studioalbum eines besseren belehrt sein: Klar ist hier einer der besten Gitarristen derzeit zu hören. Doch was Gary Clark Jr. auf „The Story of Sonny Boy Slim“ macht, ist eine faszinierende Fusion aus Hiphop-Rhythmen, psychedelischem Funk, Bluesrock, Gospel und mehr.

Album des Monats September 2015 in der Wasser-Prawda

„Ist das alles so heavy hier?“, fragte letztens ein Hörer meiner Radiosendung. Grad lief ein Track von Gary Clark Jr.‘s letztjährigem Live-Album, eine achtminütige Nummer, bei der das Gitarrensolo mit voller Verzerrung sämtliche Gehörgänge freiblies. Bei der Härte der Musik konnte man sich schon etwas irritiert fühlen, bin ich doch bekanntermaßen keine allzu großer Freund des aktuellen Bluesrocks. Aber die Nummer hatte ich mit Bedacht gewählt, stand sie doch im großen Kontrast zu den neuen Songs des Musikers.

Wenn „The Story…“ mit „The Healing“ losgeht, dann hört man nach einem akustischen Intro eine Nummer, die eher an Soulblues und Gospel erinnert. Clark preist die Musik als seine Heilung und seinen Kraftquell. Und Musik heißt für ihn eben nicht (nur) der heftige Rock, sondern sein ganzes musikalisches Erbe. Mal erinnern seine Songs daher an Marvin Gaye oder Sly Stone, mal nach Prince irgendwann in den 80ern, mal nach ganz klassischem Blues oder Rhythm & Blues. Und die Rhythmen, die dazu pulsieren, haben bei manchen schon Erinnerungen an Outkast oder andere Hiphop-Acts hervorgerufen. Und auch das dürfte in vollem Bewusstsein geschehen sein: „The Story of Sonny Boy Slim“ ist eine Vergewisserung und Besinnung auf all die Musik, die ihm wichtig war und ist. Es ist eine Fusion im besten Wortsinn.

Eigentlich hatte sich das schon im Majordebüt „Blak & Blu“ angedeutet. Doch damals standen der Plastikfunk a la Prince, der gitarrenlastige Bluesrock und die anderen Zutaten oft noch beziehungslos nebeneinander. Jetzt ist bei aller Vielseitigkeit ein Album wie aus einem Guss entstanden. Und über all dem schweben die Gitarrenlinien Clarks, mal akustisch und sanft, mal elektrisch und hart bis zur Schmerzgrenze. Und das ergibt eines der an- und aufregendsten Alben des Jahres 2015 quer über die Genregrenzen hinweg. (Warner)

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