„fleischtischlein, zweck dich!“

und die tote katze am rand der chaussee spendiert sich auserkoren den tummelnden maden als tausend-sterne-hotel. 

keine schaufel im neuen auto, um sie ins meer der blauen kornblumen zu schleudern.
ein polizist steht im verblühten rapsfeld und pißt. wartend, die blonde kollegin, mit hängendem schlagstock am feuerblumen eingerahmten rand.
leichensüß stank einst vor tagen das gelbe feld kurz vorm verblühen.
nur weg, von raps und mohn und maden.
nur luft in reifen, eiweißes wissen im körper und sein.
ich fieber den unreifen kirschen entgegen.
starr hockt ein star und schaut durch mich hindurch.
meine rückfahrt naht.
milliarden sterne warten als unruhiges hotel.
und die versinkende, lebende pause 
läßt sich in ihrem aufenthalt 
nichtmal durch liebe halten.

„zieh einfach die liebe lang, immer einfach die liebe verlängern.“ hörte er sie.
„wie denn, verdammt nochmal, wenn sich nach dem saftfluß jedesmal alles zerschlägt?“ 
„einfach langziehen, wie eine stretchhose, den augenblick ziehen, und du wirst sehen, das verlängert dir das leben.“
„mensch, liebe ist entweder da oder nicht. wie bei einem spiel, du triffst den kleinen oder großen jackpot oder du verfehlst ihn und stürzt vollkommen blank ab, wie bei einem los, niete oder der losverkäufer überreicht dir einen winzigen strauß kunstblumen, dreht sich um und lacht sich kaputt über dich.“
„pessimist.“ antwortete die frau.
„es ist wie es ist, aber ohne liebe ist das nichts.“
„sag ich doch. und wenn dir zwischendurch nach liebe ist, du sie auch nur einen augenblicklang spürst, langziehen, den augenblick langziehen, über tage, wochen, und wenn du emotional richtig stretcht, klappt es vielleicht über jahre.“
„die hose möchte ich mir dann aber nicht mehr überziehen.“
der mann schenkte kirschlikör nach. so rot. so dunkelrot und warm, der schluck durch seine kehle. dunkelrot, fast schwarz, wie die angetuschten lippen einer domina. leicht brennig, und doch angenehmer als das brennen seiner brustwarzen nach dem kneifen einer frau. der mann zog den inhalt des schnapsglases mit seinen schlucken in die länge. 
„du weißt genau, was ich meine.“ die frau leckte sich den kirschlikörgeschmack von ihren schwarzlackierten lippen.
„ja, liebe. sich auf die streckbank packen.“
„na, dann los.“
der mann und die frau gingen um den runden tisch herum, blieben sich gegenüber stehen, lösten zwei seitliche haken und zogen dem tisch sein rundes ins ovale, klappten seine freigelegten hölzernen innenteile hoch, schoben ihm sein aufgeklapptes freigelegtes ein, und fühlten sich kurz obenauf.

UNTERM SAFT GEHT’S WEITER / 93

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