WP-Rezension-MusikIn den 70er Jahren gab es eine Musikrichtung, die heute scheinbar ausgestorben ist und die heute Fusion, damals Jazzrock genannt wurde. Von Seiten des Jazz gab es den Kreis um Miles Davis, der mit seinen Platten ab Bitches Brew für die Jazzmusiker eine Initialzündung auslöste. Gruppen wie Mahavishnu um John McLaughlin und Jan Hammer, die Formation Weather Report des Saxofonisten Wayne Shorter und des Keyborders Joe Zawinul (unlängst verstorben)  oder die Band des Pianisten Chick Corea, dem genialen Gitarristen Al di Meola und dem Bassisten Stanley Clarke (dem Erfinder der Slap-Technik) hatten für Jazzformationen ganz ungewöhnlichen Zuspruch, teilweise spielten sie vor 25.000 Zuschauern, was heutigen Jazzfans wie ein Märchen vorkommt.

Von Seiten des Rock war es vor allem der Gitarrist Jeff Beck, einst Ersatzmann für Clapton bei den Yardbirds, dann mit unterschiedlichem Erfolg mit der Jeff Beck Group (Truth-eine legendäre Scheibe) mit Ronnie Wood am Bass und Rod Stewart an den Stimmbändern unterwegs. Nach der Auflösung der Formation nach den üblichen Querelen (Wood und Stewart waren legendäre Partygänger, Beck ging zum Lachen in den Keller) wollte Beck der Musik ganz entsagen, dann aber schlug er vom Rock den Weg Richtung Jazz ein-mit dem legendären Album „Blow by blow“. In den letzten 20 Jahren fabrizierte er mehrere gitarrenlastige Alben, oft mit dem Pianisten Jan Hammer, dann verschwand er eine ganze Weile und schraubte dem Vernehmen nach an Autos herum.

Ein Nachfolger in dieser Musikrichtung ist der in Prag geborene deutsch-tchechische Gitarrist Marcus Nepomuc Deml mit seiner Band Errorhead. Ausgebildet in Los Angeles, von Gittarrenmagazinen unter die drei besten Gitarristen der Welt gewählt, tätig als Studiogitarrist für Toto-Sänger Bobby Kimball, Saga und andere, ist er mit seiner eigenen Band Errorhead in den Spuren Jeff Becks unterwegs. Selbst dem Meister selbst fiel die Ähnlichkeit auf – für eine Tournee Jeff Beck´s in Deutschland war Deml als Support im Gespräch und wurde abgelehnt mit der Begründung, er „klingt wie ich“ (also Jeff Beck).

Das Errorhead-Album „Modern Hippie“ (Lion Music 2008) erschien am 13.6.08 und enthält gitarrenlastige Musik par excellence. Es beginnt mit einem kurzen Intro („That´s good“), in dem der Meister seiner Stratocaster (er besitzt eine aus der prä-CBS Ära, also so etwas wie der heilige Gral unter Gitarren) kurze Blueslicks entlockt. Es folgen Intrumentals (Dave) und Songs, in denen die Gitarre eher untergeordnet dem Song dient. Witzig – vor dem Song „Yeah Man“ ein kurzer Dialog „ Why don´t you play me some Blues?“- nach ein paar hingeworfenen Licks folgt dann die Frage nach dem Space-Blues – der dann auch folgt. Überhaupt kann das der Oberbegriff für diese Art Musik sein – Space Blues, psychodelisch aufgepumpte Musik auf der Basis von Bluesriffs, teilweise umrahmt von Synthezisern (die es im „richtigen“Blues quasi nicht gibt). Die Gitarrenarbeit ist exzellent, die Songs leider bis auf Ausnahmen („Northern Lights”) nicht. Die Songs verlieren sich nie in reine Hochgeschwindigkeitsgitarrenshredderei , wie so oft bei reinen Gitarrenalben. Der Klang ist fantastisch (Deml hat einen eignen Signature-Amp von Tube Thomson für schlappe 5000 Euro…), man ist auf der Höhe der Zeit, was Gitarren-bestimmte Musik betrifft. Für Jeff Beck-Fans, weil der Meister so lange Pause macht.