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Sie sing mit einer Power, die von ferne an Koko Taylor oder andere Power-Frauen des Blues erinnert. Ihre Lieder sind voller Metaphern der ganz frühen Zeit des Blues. Und mit ihrer Band One Hot Mess hat Chrissie O’Dell jetzt ein Debüt vorgelegt, das eigentlich keine Vergleiche zu scheuen braucht.

Es gibt Veröffentlichungen, die brauchen langsam, um ihre Wirkung zu entfalten. Und es gibt Platten, die vom ersten Klang deutlich machen: An mir kommt man nicht vorbei. „If I Had A Dime“ gehört dazu. Aber da muss ich etwas ausholen.

Es ist Freitagabend, eigentlich Zeit für den Feierabend und ein wohlverdientes Wochenende. Doch dann ist da noch eine Mail im Postfach: Hör dir das mal an. Die Frau ist zwar nicht bei uns unter Vertrag, aber ich will ihr etwas helfen.

Und dann die ersten Klänge: Eine Stimme irgendwo zwischen Koko Taylor (in den rauhen Stücken) und dem Soul von Etta James. Und Lieder, die das Erbe des klassischen Blues zitieren: Chrissie O’Dell hat bis auf einen alle Lieder ihres Debüts geschrieben. Einer der Höhepunkte des Albums ist gleich der Titelsong am Anfang der Platte: “Over and over/The same rendezvous/And another deja vous/About a deja vous yeah/So paint me a picture/All colored with lies/You’re saying all of the right things/But your words can draw flies.” Das singt sie mit einer sehnsuchtsvollen Stimme, die die Härte der Vorwürfe fast vergessen lässt. Denn auch wenn es gelogen ist, wenn es immer wieder die gleichen Fehler sind, die da der Angesungene macht: Eigentlich wünscht man sich ja doch nichts weiter, als dass es doch funktionieren würde.

„Simple Kind of Woman“ etwa macht klar: Diese Frau einfach keine Zeit für einen Freund im Moment. Da spielt es einfach keine Rolle, wonach sie sich sehnt. Bei allen Gefühlen, die sie in ihren Gesang legt: Chris O’Dell ist einfach keine popsingende Göre sondern eine Frau, die ihren Weg geht und darüber in aller Ehrlichkeit und Verletzlichkeit singt. Ihre Band One Hot Mess begleitet sie dabei mit einem Sound zwischen Blues und klassischen Rhythm & Blues, lässt die Referenzen an die große Zeit der Frauenpower in dieser Musik glaubwürdig bleiben. Besonders schön in dem einen Coversong der Platte: „Cut You Loose“ (Mel London) bellt O’Dell förmlich heraus, vorangetrieben von der Gitarren John Bendys. Heraus kommt eine regelrechte Frauenhymne. – „If I Had A Dime“ ist erhältlich direkt von der Sängerin. Bei ihrem nächsten Album würde es mich wundern, wenn sie dann keines der guten Blueslabel unter Vertrag hätte. Denn hier beginnt eine Sängerin, von der man hoffentlich noch sehr viel hören wird.