Buckwheat ZydecoZu den Besonderheiten Louisianas gehört die Existenz einer französischsprachigen Bevölkerungsgruppe mit stark ausgeprägter eigener Kultur. Die Cajuns, so der Name dieser Gruppe, leben im südlichen Teil des Bundesstaates, einer sehr flachen Gegend, die von unzähligen Kanälen durchzogen ist und in der sich ausgedehnte Sümpfe befinden.

Diese Entwicklung beginnt zu Anfang des 17. Jahrhunderts, als sich französische Auswanderer an der Ostküste Kanadas niederlassen. Die heute als Nova Scotia und New Brunswick bekannten Landstriche nennen sie Akadien, sich selbst Akadier (Les Acadiens). Im Ergebnis des Siebenjährigen Krieges werden sie von den Engländern aus Kanada vertrieben. In Südlouisiana, damals noch französische Kolonie, bilden sie ein neues Zentrum. Abgeschlossen von der Umwelt reorganisieren sie ihre bereits in Akadien erprobte Gesellschaftsordnung, und weder die zeitweise Angliederung an Spanien noch der 1803 erfolgte Verkauf Louisianas an die USA ändern viel an ihrer Lebensweise und Kultur.

Der Zusammenhalt der Cajuns, wie sie sich jetzt in Abwandlung des ursprünglichen Namens nennen, ist bereits in Kanada groß gewesen. Gestärkt durch bittere Erfahrungen und gefördert durch die relative Unzugänglichkeit ihres neuen Siedlungsgebietes isolieren sie sich nun noch mehr von der Umwelt. Die französische Sprache ist, wenn auch mit Anleihen aus dem Englischen, dominierend.

Im Gegensatz zur zumeist protestantischen Bevölkerung in den Nachbarstaaten bleiben sie strenggläubige Katholiken. Kennzeichnend für ihre Wirtschaftsweise sind landwirtschaftliche Kleinbetriebe, die durch die Familie getragen werden. Die Notwendigkeit für die ansonsten im Süden vorherrschende Sklaverei entfällt damit. Das führt auch dazu, dass bereits vor dem Bürgerkrieg Afroamerikaner bei den Cajuns Zuflucht finden und als „freie farbige Menschen” (Gens libres couleur) leben können.

Die gesellschaftliche Integration zieht die kulturelle nach sich, wobei die Beeinflussung gegenseitig ist. Schwarze Musikanten lernen die traditionellen französischen Lieder und Tänze kennen, und die weißen Siedler nehmen Anleihen beim afroamerikanischen Kulturgut auf.

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Das Instrumentarium der Cajun-Musik besteht im wesentlichen aus Akkordeon, Geige und Triangel, später kommen Rhythmusinstrumente wie Gitarre und Waschbrett hinzu. Erste Plattenaufnahmen mit derartiger Musik entstehen Mitte der zwanziger Jahre. Neben weißen Interpreten wie Joseph Falcon (gest. 1966), Leo Soileau (geb. 1904), Dennis McGee oder den Hackberry Ramblers wird auch der Farbige Amade Ardoin (ca. 1900 – frühe 40er Jahre) ins Studio geholt. Sie verkörpern allesamt eine einheitliche Kulturentwicklung unabhängig von ihrer Hautfarbe. In ihrem Repertoire befinden sich Two-Steps, Balladen, Walzer und Blues.

Diese Musik mischt sich vor allem in den benachbarten Städten von Texas mit dem Rhythm & Blues. 1950 erscheint ein Titel des Gitarristen Sängers Clarence Garlow (1911-1986), der sich sowohl musikalisch als auch inhaltlich stark an Louis Jordans „Let The Good Times Roll” orientiert. Das Neue an „Bon Ton Roulet” ist die Verschmelzung von französischer Tradition und aktuellen Entwicklungen des Blues. Die Platte ist lokal sehr erfolgreich und gilt als erstes Beispiel einer neuen Musikrichtung. Der Name wird von dem alten französischen Lied „Les Haricots Son Pas Sale” abgeleitet, die ersten beiden Worte werden im Südstaatendialekt zu „Zydeco”.

Der Akkordeonist Clifton Chenier wird zu einem der bekanntesten Interpreten dieser als lokaler Tanzmusik verbreiteten Form. Modernster Vertreter ist der 1947 geborene Buckwheat Zydeco, der den Zydeco selbst in Richtung Funk und Disco erweitert.

In den letzten Jahren wurde in Deutschland mit dem Film „Schultze gets the Blues” Zydeco wieder einmal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gehoben. Eine gute Verbindung vom Zydeco mit dem Blues und dem Rock liefert Sonny Landreth, der mittlerweile zu den besten Slide-Gitarristen der Welt gehören dürfte.