ACFRONTBlues Chicago-Style, Bluesrock mit Grüßen ins Vereinigte Königreich der 60er Jahre und eine Gitarre, die von der ersten Note an fesselt: Albert Castiglias aktuelles Album “Keepin’ On” ist ein Muss für Freunde des rockigen Gitarrenblues. Ich gestehe es: Ich bin immer überkritisch, wenn irgendwo das Etickett Bluesrock vergeben wird. Denn was da in den letzten Jahrzehnten alles so auf Platte gepresst wurde, hat viel zu oft mit dem Blues recht wenig zu tun sondern mehr mit einem oft doch recht stumpfen Rock. Die Subtilität, die den guten Blues ausmacht, bleibt dabei zu oft auf der Strecke und wird durch kalte Virtuosität auf dem Griffbrett der Gitarre ersetzt.


Als ich daher jetzt das aktuelle Album von Albert Castiglia in die Hände bekam, war ich zunächst reichlich skeptisch. Und auch beim ersten Hören der Platte konnte ich meine Vorurteile nicht gleich ablegen. Doch “Keepin’ On” offenbart spätestens beim zweiten Durchlauf selbst einem kritisch eingestellten Geist seine großen Vorzuüge: Castiglia ist nicht einfach ein Bluesrocker mit schnellen Fingern und wenig Sinn für den Blues. Nein, er wurzelt ganz tief in der Geschichte des Chicago-Blues der späten 60er Jahre, erinnert manchmal an Buddy Guy oder andere Spieler der Southside. Und er verbindet dies mit dem britischen Rhyhthm & Blues der gleichen Zeit, mit der Musik von Fleetwood Mac oder den bluesigen Yardbirds. Und die Mischung ist Bluesrock, wie er sein sollte: Mehr Blues als Rock, mehr Feeling und Ehrlichkeit als technische Brillianz (auch wenn die durchaus vorhanden ist – sie ist niemals Selbstzweck).

Die zwölf Lieder von “Keepin’ On” sind ein Pflichtkauf für Freunde der härteren Bluesgitarre. Für mich ist Castiglios Album wesentlich überzeugender als etwa die aktuelle Scheibe von Bonamassa oder ähnlich gelagerte Veröffentlichungen.