Mal klingt er wie ein Bluesman aus den 50er, mal wie Johnny Cash, als er noch feinsten Rockabilly spielte mit seiner Band bei Sun Records. Doch Al Foul kommt aus Arizona. Und der Songwriter/die One Man Band hat mit „Keep The Motor Running“ 2012 sein Debüt veröffentlicht, dass Cactus Rock Records auch hierzulande vertreibt.

Wow, wenn nur alle Lieder so wären wie der Titelsong und Opener des Albums: wie ein entgleisender Expresszug tobt das Stück über hoffnungslose Liebe, Tod und Verbrechen aus den Boxen. Stoisch der Rhythmus, scheinbar simple die Gitarrenakkorde. Blues meets Rockabilly. Großartig passen Musik und Text zusammen und provozieren unwillkürlich ein Kino im Kopf, wo der Regisseur entweder ein guter Freund von Tarantino oder aber einer der Vertreter des film noir ist. Und am Ende liegt alles in Trümmern. Denn ohne dass man ständig drauf geachtet hätte, hat sich dieses Monster von einem Song in einen umwerfenden Höhepunkt gesteigert. 

One Man Bands haben ein Problem: Wer gleichzeitig für Gitarre und Rhythmus verantwortlich ist, ist meist nicht sonderlich flexibel. Es kommt drauf hinaus, dass melodische Linien nur ab und zu kommen. Ansonsten: simple Akkorde zu reduziertem Beat. Bei Al Foul klingt das meist so, als sei er eine Mixtur aus Cash und seiner Rhythmusgruppe. Und auch die Geschichten, die er erzählt, passen da hinein. Outlaws, Gangster, Getriebene und Gescheiterte tummeln sich in den Songs. Nur dass eben auf Albumlänge zu wenig passiert: immer wieder erwischt man sich beim Blick aufs Cover: Hatte ich diesen Song nicht schon gehört? Nein, hatte ich nicht, aber er klingt zum Verwechseln ähnlich: Zwei bis masimal drei Akkorde und bumtschackabum von Bass Drum und Fußpercussion.
Erst bei Titel 6 („Memphis“) kommt wieder etwas mehr Abwechslung in die kleinen Geschichten, die Foul erzählt. Das eines der drei Lieder, bei denen Naim Amor als zweiter Gitarrist am Start ist. Und prompt verwandelt sich der Sänger in einen Elvis, der pltözlich ein Fan des Psychobilly geworden ist. Schön düster, rotzig, gelungen.

Nein, ich will das Album nicht wirklich schlechtreden: Die Songs sind jeder für sich gut, manche sogar sehr gut („Bring Me A Little Water, Sylvia“). Aber: Das ergibt einfach kein Album, dem man die ganze Zeit zuhören könnte. Schade drum. Aber „Keep The Motor Running“ und „Memphis“ sind echte Kracher, die immer mal wieder vorgeholt werden. So muss man Rockabilly heutzutage spielen! (Cactus Rock Records)

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