Ein Roman wie eine Wundertüte: Nazis, Verschlüsselung, Internet, Verschwörung, Liede, Mathematik – und jede Menge skurile Typen hat Neal Stephenson in seinem Werk zusammengebastelt. Wer Zeit und Lust hat wird auf den 1200 Seiten glänzend unterhalten. Deutsche, Engländer und Enigma – über dieses spannende Kapitel des Zweiten Weltkriegs gibts mittlerweise einen ganzen Haufen Bücher. Und mit Richard Harris’ Roman auch den spannenden Versuch einer literarischen Beschäftigung damit. Doch im Zeitalter des Internet und seiner Rasanz sehnt man sich als Literaturfresser doch nach mehr. Und hier kommt Neal Stephenson ins Spiel.

Der 1959 geborene US-Autor hat schon mit seinen frühen Science-Fiction-Romanen wie Snow Crash oder Diamond Age deutlich gemacht, dass er ein großartiger Geschichtenerzähler ist, der historische, wissenschaftliche und selbst religiöse Themen in rasende Handlungen verpackt. Hier kurz ein Einstieg in das Personal und die ausufernde Handlung, die sich auf zwei Zeitebenen, dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart abspielt:

Da haben wir einerseits Corporal Bobby Shaftoe (Zweiter Weltkrieg), der als Marine im Pazifik kämpft und später zur seltsamen Einheit 2702 versetzt wird und daraufhin öfters am Verstand der Offiziere zweifeln muss. Lawrence Pritchard Waterhouse (Zweiter Weltkrieg)ist nicht nur per Zufall beim Militär geladet. Durch seine Fähigkeit, Muster im Informationsdschungel in mathematische Funktionen zu übersetzen wird er neben Alan Turing einer der Köpfe der Codeknacker in Bletchley Park. Goto Dengo (Zweiter Weltkrieg und Gegenwart) kommt durch die Kriegserlebnisse dazu, die japanische Kriegsführung abzulehnen. Enoch Root (Zweiter Weltkrieg und Gegenwart) ist der Priester in dem Roman – eine äußerst seltsame und schwer einzuschätzende Figur. Randall (Randy) Lawrence Waterhouse (Gegenwart) gründet mit seinen Freunden eine Firma, die im Zeitalter immer stärkerer Eingriffe der Staaten in die Informationsfreiheit im fiktiven Sultanat Kunakuti einen Datenhafen anlegen und irgendwie einem Teil des gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versteckten japanischen Raubgold auf die Spur kommen. Dabei findet er Unterstützung von Douglas (Doug) MacArthur Shaftoe (Zweiter Weltkrieg und Gegenwart) und seiner Tochter America (Amy) (Gegenwart).

Daneben spielen allerdings noch eine Menge anderer Fragen in dem Roman eine Rolle. Etwa die, welchen Einfluss Möbel auf die Sexualität haben, warum Bärte sexistische Zeichen weißer Technokraten-Männer sind und wie das Yellow Submarine der Beatles vor den Philipinen gestrandet ist. Oder auch, wie das Internet dazu beitragen kann, zukünftige Völkermorde zu verhindern. Aber wie für alle große Literatur gilt hier auch: Die Summe ist deutlich mehr als die Einzelteile. Und so kann die Empfehlung nur lauten: selbst lesen und Spaß haben.

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