kein märchen nah und so schön wirklich

wüst, dieses bündel strumpfhose. und manchmal drei und mehr auf einem hümpel. wann war ein berg schon mal so leicht? am ende der geschichten in einem märchenbuch?
leicht das sein. wenn man es nur betrachten durfte, davorstand, außerhalb des wehens hinterm wind.
„kind, doch nicht immer nur märchen, lies doch mal was wirkliches.“
und der wind heulte. durch welche ritzen denn? nur weil er einfach da war? 
„laß mich doch. in wirklichkeit sind märchen wahr. in wirklichkeit ist alles wahr, auch wenn es schon gewesen ist.“
„hast gehört, genau wie du, bist auch so ein märchenerzähler der wahrheit“, sagte die frau zum hereinschauenden mann. und er blickte sich um. nur so im zimmer. was sollte denn hier wirklich sein? die frau? das kind? sein eigenes schauen? märchen, die keine waren und doch so genannt wurden? geschichten, die hirne grinsen erzeugen ließen, ein lachen, ein gruseln?

 

UNTERM SAFT GEHT’S WEITER / 30

„kennt ihr das schon?“, fragte der mann, und bevor sie ja sagen konnten, erzählte er die wahrheit: „liegt ein kind rum und liest märchen. und die mutter sagt, schnapp dir selber einen prinzen, und der prinz glotzt durch die tür und behauptet, sein vater hätte gesagt, erzähl doch keine märchen, die polizei war schon wieder hier, such dir lieber eine prinzessin. und der mann suchte nicht und fand trotzdem eine, weil eine einfach so rumstand und auch nichts suchte, und weil sie das rumstehen satt hatten, legten sie sich hin, und der mann und die frau waren weder prinz noch prinzessin, aber sie bekamen eine, und alles rauchte vor glück, und der mann rauchte wirklich, weil ein mensch zigaretten erfunden hatte und sie dann auch noch prince nannte, und der prinz, der keiner war, rauchte, schluckte und fraß bis zu achtzig princen an einem tage in sich rein, wenn er schlecht drauf war und auch wenn er gut drauf war, und die frau rauchte ernte mit ’ner nummer hinten dran, auch das nur die erfindung eines namens für etwas schon erfundenes, also prinzessin ernte und prinz prince-raucher. und die kleine prinzessin von prinzessin ernte und prinz prince-raucher, der ja gar kein wirklicher prinz war sondern nur der prinz der prince-raucher, hustete, und wenn sie einen hustenbonbon bekam, war alles gut, bis zu dem tag als sie einen noch nicht aufgelutschten bonbon verschluckte. ernte- und prince-raucher klopften auf ihr rum, so daß die kleine prinzessin den bonbon wieder abgab und lange jahre an keinem mehr lutschte.“
„mach mal so was wie einen punkt“, hörte der mann von seiner frau.
„hab ich gerade. jedenfalls las die kleine prinzessin, bei deren ankunft alles rauchte, auch noch mit siebenundzwanzig jahren märchen, und sagt zum prinz prince-raucher, wenn jan oder markus oder daniel vor der tür stehen sollten, dann sag jedem einzelnen, ich sei nicht da. und der prinz prince-raucher machte das tatsächlich auch immer, bis auf den tag, als…“
„peter, komm, entweder machst du die tür richtig auf und kommst rein oder du gehst raus und machst sie zu.“, kam es von seiner frau.
der mann kam rein und machte die tür richtig auf, weit auf, und hinter ihm trat moritz ein und sagte: „guten abend, conny.“ zur frau des mannes.
„guten abend, moritz“, erwiderte conny ganz ruhig.
„du wolltest doch heute auch mit zum bowlen kommen. und ich steh da und warte und warte.“
der mann ging raus und schloß die tür. eigentlich wollte er noch bei seiner prinzessin bleiben und eine prince rauchen, hatte gedacht, er könnte beistehend die märchenlesende kleine prinzessin ärgern, und der junge mann hatte vorhin, als er ihn vor der haustür traf, nichts von seiner frau gesagt, sondern nur: „’nabend, ich bin moritz, ist die prinzessin da?“ und der mann selbst hatte lachend bejaht und gesagt: „dann kommen sie mal mit und dann erzählen wir ihr gleich ein neues märchen, so ein märchen, das von heute ist, ganz wahr und auch ein bißchen wirklich.“ 
und er war mitgekommen und jetzt küßte er innig, der mann sah es durch das schlüsselloch, die ernte-conny, die frau vom falschen, nicht wirklichen prinzen, und die ernte umklammerte den küsser innig, ja gab sich dem küssen hin, und die kleine prinzessin las unbeeindruckt nun wieder selber in ihrem märchenbuch, und der nichtprinz suchte nach feuer in allen taschen von denen er glauben wollte, daß sie sein feuer noch an ihm tragen müßten, und dann rauchte der nichtprinz im korridor stehend gleich zwei prince hintereinander, und nichts war da zum hinsetzen, nur dieser sich aufwölbende, schräggerutschte bunte läufer lag da, dem ein alter feuerlöscher auf einer seiner ecken stand und den schräg verrutschten läufer nicht gänzlichst entkommen lassen mochte.

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