wer sagt, das leben sei so-was-wie ein märchen: der wäre gern ein erdheimatloser prinz im film

UNTERM SAFT GEHT’S WEITER / 22

 

sie tauschte mich gegen einen jüngeren mann aus:
es war einmal eine kneipe in norddeutschland,
da gab es dänisches elefantenbier vom faß.
dem zähen kater bot ich marzipanschokolade und eine tüte haselnüsse an.
sicherlich waren die haselnüsse radioaktiv-verseucht,
aber was scherte mich eine krebskrankheit vor ihrem ausbruch,
zumal ich gerade ausgetauscht worden war.

die frau des hausmeisters läutete mit einer sammelbüchse
an den türen der wohnungen:
„herr landt,
der grauhaarige herr lebt nicht mehr. sie wissen doch,
der mann aus dem fünften stock/links. er hat sich erhängt.
irgendwas muß der arme mann nicht verkraftet haben, und dabei
war er erst 61!, doch unsere hausgemeinschaft sammelt jetzt für
einen kranz!“
ich sagte:
„einen kranz, das ist eine schöne idee, nur:
ich kenne den mann doch gar nicht!“ und die frau des hausmeisters
erwiderte: „auch wenn der alte mann nicht immer seine wohnung auf
vordermann hatte, aber zwei mark haben sie doch wohl übrig!?“
ich hatte nicht eine mark übrig
und gab ihr fünf.
die frau sagte noch: „der tote mann war früher ein übersetzer von
sprachen gewesen.“ dann schmiß sie das geld in die büchse und danach ging sie.

im begegnungsanfang unserer zusammenunfügbarkeit
hatte die mich-ausgetauschte frau stets jubelnd-sinnlich
formuliert:
„dich hat der liebe gott zu mir geschickt!“
ich hatte damals: „ach was!“ gesagt
und mich anbei fast wie von selber
immer tiefer in sie verglückt.
es war einmal eine neue begegnung:
auch jene frau lehnte sich anfänglich defizitär an mein vorhandensein einer mickrigen existenz,
sprach zärtlich und verwundert: „dich hat der liebe gott geschickt!“ – und vielleicht stimmte es doch jedesmal?

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