Von der Messbarkeit der Glaubwürdigkeit

Ist Einfluss messbar? Und vor allem: Wie kann man Glaubwürdigkeit in eine Zahl pressen? Im Bereich der Online-Communities machen mittlerweile die seltsamsten Seiten Karriere, die im Grunde genommen das versuchen.

Die Wasser-Prawda ist von ihrem Auftreten auf Seiten wie facebook oder twitter her eindeutig ein „Spezialist“. Das hätte ich auf Nachfrage auch sofort zugegeben. Schließlich konzentriert sich unser Magazin auf ein relativ eingegrenztes Spektrum von Themen. Aber wenn ein wahrscheinlich hochkomplexes Analysetool zur gleichen Meinung kommt, dann hat das natürlich noch einen ganz anderen Wert. Aber dass wir mit unserer Spezialistenmeinung einflussreicher sind als diverse andere Medien, auf solch eine Deutung wäre ich von selbst nicht gekommen. Dass unser Online-Magazin vom Einfluss im Netz her in der Nähe von Blättern wie der taz oder der Süddeutschen Zeitung spielen soll, solch eine Behauptung würde ich niemals aufstellen. Aber die Zahl 51, die klout für uns als Index errechnet hat, will genau das aussagen.

Wie kommen die eigentlich zu der Deutung? Nicht von den inhaltlichen Aspekten her, sondern allein davon, wie viele Leute in irgendwelchen Communities die Texte verfolgen und vor allem auf sie reagieren. Wenn also die Wasser-Prawda bei facebook eine Rezension veröffentlicht und darauf Leute den virtuellen Daumen nach oben zücken, dann gibt’s virtuelle Punkte. Mehr noch, wenn es Kommentare auf den Beitrag gibt oder Leute das bei Twitter weiterleiten. Je mehr Leute auf die Aktionen reagieren, desto größer muss der Einfluss des Urhebers sein, so meine laienhafte Deutung des Index. Man kann natürlich an dem Wert auch selbst etwas herumdoktoren. Etwa indem man Punkte an Leute vergibt, die einen beeinflussen und die sich dann irgendwann hoffentlich revanchieren. Und man kann bei Umfragen mitmachen und dabei abschätzen, welche Personen einen in der Arbeit mehr beeinflussen.

Und wenn man hoch genug angesiedelt ist, dann kann man diesen Einfluss auch materiell spüren. Dann bekommt man Produkte exklusiv zum testen, bekommt Rabatte eingeräumt in bestimmten Läden oder kostenlose Eintrittskarten für Veranstaltungen. Bislang hat man uns für die ominöse „50“ kostenlose Visitenkarten angeboten. Allerdings hätten wir dafür den Versand aus den USA bezahlen müssen. Und wir hätten an einem Tag 50 Prozent weniger in einem Online-Shop mit Designer-Klamotten bezahlen müssen. Leider hatte ich grad an dem Tag kein Geld auf dem Konto.

Nac anderer Berechnung komme ich auf einen Einfluss von 683 von insgesamt 1000. Und mein „Outreach Level“ beträgt 6. Der Urheber dieser Zahlen kommt mit dem netten Namen „kred“ daher. Wobei hier ganz geziehlt mit der Doppeldeutigkeit von Kredit und Credibility = Glaubwürdigkeit hantiert wird. Bei kred kommt neben der online-Wirklichkeit noch eine andere Größe hinzu: Hier kann man ganz frech auch noch seine Vielfliegermeilen oder Kreditkarteneinstufungen in online-Glaubwürdigkeit umrechnen lassen: Wer viel fliegt, muss auch bedeutender und einflussreicher sein als meine Wenigkeit ohne Vielfliegerkonto.

Wenn dass allerdings mit Glaubwürdigkeit verwechselt wird, dann ist das Social Web inzwischen auf einem völlig falschen Pfad. Dann reproduziert es genau die gleichen sozialen Vorurteile die auch in der realen Welt vorherrschen: Haste was, dann biste was. (Über das Thema Datenschutz will ich mich gleich gar nicht äußern. Da sind klout oder facebook ja wirklich nicht die richtigen Ansprechpartner, wenn es um das Recht an den eigenen Daten geht.)

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