Dr. John – Locked Down (Nonesuch)

Abdeckung

Politisch, wütend und musikalisch überzeugend wie lange nicht: Gemeinsam mit Produzent Dan Auerbach (The Black Keys) hat Dr. John mit Locked Down eines der besten Alben der letzten Jahre vorgelegt. Der Groove von New Orleans wechselt sich darauf ab mit Afrobeat und Latin-Einflüssen.

Da ist er wieder, der Night Tripper aus den Sümpfen Louisianas. Gespenstische Vogelrufe, ein düsterer Groove, eine jammernde Hammond und natürlich: diese Stimme aus der Tiefe. Wenn „Locked Down“ beginnt, fühlt man sich unwillkürlich an die Anfänge von Dr. John erinnert, an Alben wie „Gris Gris“, Babylon oder auch „In The Right Place“. Der Voodoo-Priester, der damals in den späten 60ern die Hippies erschreckte und begeisterte ist musikalisch wieder dort angekommen, wo viele ihn erstmals wahrnahmen. Doch wer glaubt, die letzten 50 Jahre würden jetzt einfach gestrichen, und Dr. John sei mangels Ideen zu einer Retrofassung seiner selbst verkommen, der könnte sich nicht mehr täuschen. Einerseits ist das Album eben nicht nur eine Neuauflage des psychedelischen Funkrock von New Orleans. Angetrieben von Dr. Johns Keyboards und der knarzigen Bluesgitarre von Dan Auuerbach ist „Locked Down“ ebenso sehr von Afrobeats, lateinamerikanischen Rhythmen oder eben auch dem Bluesrock im Gefolge der Black Keys oder den White Stripes geprägt. Und dadurch erhält seine Musik eine Frische, die man manchmal bei Alben wie „City That Care Forgot“ oder „Tribal“ vermisst haben mag.

Aber genau diese Alben aus der Zeit nach Katrina setzt „Locked Down“ auch fort auf thematischer Ebene. Wenn hier gepredigt wird, dann ruft der Doktor nach einer Revolution als einzigem Ausweg aus der derzeitigen Lage. Er wettert gegen Geldschneiderei, beklagt das Schicksal von Straßenkindern und vergewaltigten Frauen. Es ist eine Eiszeit, die er in seinen Vereinigten Staaten und der Welt sieht: Das schnelle Geld ist es, das die Menschen davon abhält, sich den wirklichen Problemen der Gesellschaft zu widmen. Und so bleibt am Ende entweder die Verzweiflung oder aber die Besinnung auf die Kraft des Glaubens, die des eigenen und die der Gemeinschaft, in der man sich aufgehoben fühlt. „Can I Get A Witness“ – so fragt der zum Prediger gewordene Voodoo-Doktor denn auch in seinen Liedern. Dr. John schließt mit einem von ihm nicht erwarteten Bekenntnis: „God’s Sure Good“: Egal wie schlimm es ist, wenn man die Kraft Gottes in seinem Leben verspürt, dann ist da kein Platz für Verzweiflung sondern die Gewissheit, dass man dennoch weitermachen kann auf seinem Weg.

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