Apostelgeschichte 08, 26-39 – 13.07.08 – Freibeutergottesdienst bei Ludwigsburg 1377

Es ist so schön, getauft zu sein – Predigt bei Ludwigsburg Anno 1377 (Text: Apostelgeschichte 08, 26-39)

Anmerkung: Am 13. Juli 2008 machten wir Freibeuter den ersten Ausflug ins Mittelalter. Bei Ludwigsburg Anno 1377 gestalteten Ingo und ich gemeinsam mit Gryn Aap und Eusebius von Cammin von den Usedomer Templern einen Open Air-Gottesdienst. Bedong interpretierte als Einleitung für meine Predigt Torfrocks Lied von Rollos Taufe:

Rollos Taufe

von Torfrock

Es ist so schön getauft zu sein,
denn tut man keine Sünden,
man taucht nur in das Taufbecken rein
und tut Erleuchtung finden.

Rollo, der Wikinger, war bekannt
als Heide und als Rowdy.
Sein Wahlspruch war:
„Kommst du in ein fremdes Land
beklau sie und verhau sie.“
In jedem Gasthaus ließ er mit Genuss
seine Sauflieder ertönen
und er tat auch der Fleischeslust
im Übermaße frönen.

Doch an einem Sonntag,
er war noch bezecht,
hörte er die Glocken vom Kloster drüben
und dachte sich: „Mensch, auch nicht schlecht
ich tu mal alle lieben.
Mit Krieg und Weibers ist nu Schluss
und ich tu kein Met mehr kippen,
ich geh zum heiligen Bonifatius
und lass mich ins Weihwasser stippen.“

Es ist so schön getauft zu sein,
denn tut man keine Sünden,
man taucht nur in das Taufbecken rein
und tut Erleuchtung finden
Schubidu …

Bonifatius machte die Taufe wahr
und sprach: „Nu bist du Christ bis ins Grab!“
Und Rollo meinte: „Das geht schon klar“,
und trocknete sich ab.
„Bonifaz, ich liebe dich,
hier hast du meine Keule,
verwahre sie nur gut für mich,
damit ich keinen mehr verbeule.“

Er wandelte zum Kloster raus
und ging selig seiner Wege
Da traf er Olaf vor seinem Haus,
neben ihn saß noch’n Kollege
Rollo rief: „Ich lieb euch so doll!“
Und Olaf meinte: „Ich kenn das.
Wir hau’n dir jetzt die Jacke voll,
du Ferkel stehst ja auf Männer!“

Nach ’ner halben Stunde lag Rollo flach
und meinte: „Ihr seid lieb, ihr beiden,
ihr habt das werklich gut gemacht.
Mann, ist das toll zu leiden!“

Es ist so schön getauft zu sein,
denn tut man keine Sünden,
man taucht nur in das Taufbecken rein
und tut Erleuchtung finden.
Halle … schabidu … lalalala

Danach traf er die schöne Ulla,
die war mit Björn vermählt,
und er sang: „O Ulla, ich lieb dich noch duller!“,
Die hat das gleich Björn erzählt;
der brüllte: „Machst du sie schon wieder an?
Hier hast du in die Schnauze!“
Nach einer Stunde fragte Rollo dann:
„Du Bruder, ist bald Pause?“

Später fühlte er sich den Kopf
und dachte sich: „Na ja nun,
Christ ist eben ’n harter Job.
Ich geh nur Gutes tun.“
Er holte sich von nah und fern
die Menschen in seine Hütte
und rief: „Ich hab euch so furchtbar gern
und erfüll euch jede Bitte!
Bei mir findet ihr Trost, denn ich versteh
eure Not und weltlichen Jammer.“

Die meinten: „Rollo, das ist o.k.,
wo ist hier die Speisekammer?“
Sie futterten viel und feierten Feste
und meinten: „Rollo, du störst,
für dich als Christenmensch ist es das Beste,
wenn du Wanderprediger wirst.
So leb denn wohl, wir danken dir!
Tu uns mal ’ne Karte schicken,
aber lass noch deinen Mantel hier,
und lass dich nicht mehr blicken.“
Schubidu … hmm …

Es ist so schön getauft zu sein,
denn tut man keine Sünden,
man taucht nur in das Taufbecken rei…ein
und tut Erleuchtung finden.
Schabada … hmm …

Halbnackig schleppte Rollo sich
wieder hin zu die heiligen Brüder
und stöhnte: „Ich bin so hungerig,
mir rutscht andauernd das Mieder.
Christ zu sein ist gar nicht so schlecht,
aber ganz schön teuer.“
Und der Paster meinte: „Da hast du recht,
wir kriegen noch Kirchensteuer!“
„Ich hab doch nix“, sagte Rollo geniert,
„ich hab alles die Armen gegeben.“
„Denn bist du exkommuniziert
und musst wieder als Heide leben!“

Froh leuchteten da Rollos Augen auf
und er rief: „Ich tu dich zwar lieben,
aber rückst du den Opferstock nicht raus,
werd ich dir eine schieben!
Ich kleide mich erst mal neu ein
Und denn geh ich Ulla beglücken;
denn zieh ich mir noch’n paar Methumpen rein
Und werd meinen Björnie eine drücken.
Macht’s gut, ihr Lieben, und betet fein.
Ich bin mehr für den Frohsinn,
ich geh lieber zu meinem Runenstein
und schnack ’n büschen mit Odin!“
Schubidu … hmmm …

Es ist so schön getauft zu sein,
denn tut man keine Sünden,
man taucht nur in das Taufbecken rein
und tut Erleuchtung findennnn …

Ihr Lieben,

Es ist so schön, getauft zu sein – man taucht nur in das Taufbecken rein und tut Erleuchtung finden…

Schön wäre es ja, wenn es so einfach wäre, wie es das Lied von Rollos Taufe schildert. Einmal ins Wasser gestippt, und schon ist man ein vollkommener Heiliger. Schon ist man einer, der am liebsten allen nur noch Gutes tut, der seinen Besitz herschenkt, der alle liebt – und den alle wegen seiner Blödheit ausnutzen. Denn darauf läufts doch hinaus: Rollo macht sich zum Trottel – und stellt erst hinterher fest, dass das so überhaupt nicht zu seinem Leben passt. Alles, was Spaß macht ist verboten, die Leute tanzen einem auf der Nase herum – und dann will da noch jemand Kirchensteuer dafür haben. So geht’s nun wirklich nicht. Das hat mit Erleuchtung soviel zu tun wie ne ausgeblasene Kerze im dunklen Schlafzimmer.

Warum sollte man sich denn dann eigentlich taufen lassen? Was soll daran so schön sein?
Ich will Euch eine Geschichte erzählen aus dem ganz frühen Mittelalter, als hier in Pommern noch die slawischen Herzöge als Heiden saßen. Die hatten nämlich ein größeres Problem. Und zwar mit den Polen. Die waren mittlerweile Christen geworden. Und die schauten gierig danach, den Pommern ihre Besitztümer zu entreißen. Und wollten das auch noch als gottgefälliges Werk verkaufen: Fort mit den Heiden. Krieg drohte. Da machte Otto sich auf, Bischof in Bamberg und nicht nur mit dem polnischen Königshaus sondern auch mit etlichen der pommerschen Adligen befreundet. Immerhin hatte er schon mal 1124 in der Stettiner Gegend Menschen getauft. Doch das war nicht wirklich nachhaltig gewesen. Besonders in Wollin und Stettin hatte man ihn nicht wirklich angenommen.
Jetzt also zog der schon alte Bischof von Bayern noch mal los, um einen Krieg zu verhindern. Er kam in die hiesige Gegend, nach Demmin, nach Gützkow, schließlich nach Usedom. Und dort verhandelte er mit dem Adel. Sein Leitspruch war: Gott will keinen erzwungenen sondern freiwilligen Dienst. Also: Ihr könnt wahrscheinlich einen Krieg verhindern, wenn ihr euch taufen lasst – aber das wird Euch vor Gott nichts wirklich nützen. Wenn ihr euch für Gott entscheidet, dann muss das aus ’nem andern Grund geschehen. Dann müsst ihr das wirklich wollen. Es geht nicht darum, zu heiligen Deppen zu werden – es geht darum, euer Leben auf einen neuen Grund zu stellen, ein neues Ziel ins Auge zu fassen.
Damit hatte er Erfolg nicht Zwang hilft, es geht um Freiwilligkeit – die Adligen ließen sich taufen, die den alten Göttern geweihten Tempel rissen sie ab und bauten Kirchen. Damit war der Frieden gesichert und für die Zukunft ein Kriegsgrund weniger vorhanden. Doch es gehört noch mehr dazu. Da ist plötzlich eine ganz andere Gesellschaft, die aufzubauen ist. Da sind ne Menge Gebote, die sich endlich auf eines reduzieren lassen: Liebe! Nicht Erfolg, nicht Freiheit, nicht Egoismus – Liebe.
Natürlich waren letztlich wieder nicht alle einverstanden. Und der Herzog, der Otto eingeladen hatte wurde ermordet. Doch das hatte keine wirklich entscheidende Wirkung mehr. Pommern galt jetzt offiziell als christliche Gegend. Und der polnische König hatte keinen Grund mehr, die freiheitliebenden Stämme anzugreifen. Es ist so schön, getauft zu sein…

Lange her das ganze? Was soll das für uns bedeuten? Was bedeutet es für mich, getauft zu sein? Ich will eine Geschichte erzählen, die noch älter ist, als die von Otto und den pommerschen Ex-Heiden. Gehen wir zurück ins erste Jahrhundert, in die Wüste zwischen Israel und dem Gaza-Streifen.

Dort ist einer unterwegs. Einer der frustriert ist. Denn er hatte eine lange Reise unternommen, weil er auf der Suche war nach einem Sinn für sein Leben. Äußerlich hatte er so ziemlich alles. Er war Finanzminister einer afrikanischen Königin, hatte also Geld und Einfluss ohne Ende, hatte im Prinzip alles, was sich viele von ihrem Leben erwarten. Und doch: da fehlt ihm noch was.
Für seinen beruflichen Erfolg hatte er etliches aufgeben müssen. Er war ein Eunuch geworden, weil er sonst nicht hätte Beamter am Hof der Königin werden können. Die Gefahr, dass es sonst zu ungewolltem Nachwuchs kommen würde, war den Herrscherinnen zu groß.

Da fehlt was im Leben dieses Mannes – und er macht sich auf die Suche, hatte gehört, dass da im fernen Jerusalem ein besonderer Gott angebetet wird, der die ganze Welt erschaffen haben soll. Für den Schatzmeister war Jerusalem ein Ort der Hoffnung, – sonst wäre er wohl nicht zehntausend Kilometer gereist, um dort anzubeten. Dort so mag er gehört haben, wird ein Gott verehrt, zu dem am Ende der Zeit alle Völker kommen werden.
Doch er fand dort offenbar nicht das, was seine leere Stelle füllte. Denn dort musste er erfahren, dass er als Eunuch keinen Zutritt zum Tempel bekommt. Du nicht! Du passt nicht zu uns, du bist nicht nur kein Jude, sondern du hast dich auch noch verstümmeln lassen.
Aber er bekam neue Anstöße, wo und wie die Quelle vielleicht zu finden sei: Eine Jesajarolle. Ein Stück aus der Bibel hat er sich als Reiselektüre gekauft. Hat ein Vermögen dafür ausgegeben. Doch dann das: er versteht das Buch nicht, was er liest.

(26) Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh gegen Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; der ist öde.
(27) Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz [gesetzt] war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten;
(28) und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
(29) Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an!
(30) Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest?
(31) Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet? Und er bat den Philippus, daß er aufsteige und sich zu ihm setze.
(32) Die Stelle der Schrift aber, die er las, war diese: `Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf.
(33) In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.
(34) Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von einem anderen?
(35) Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus.
(36) Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, [da ist] Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?
(37) Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als der Kämmerer; und er taufte ihn.
(38) Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus; und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden.

Nun plötzlich: Philippus. Eigentlich hatte er gar keine Lust, in die Wüste zu gehen. Was soll er in der Einöde. Als Diakon war er für die Versorgung großer Teile der Gemeinde zuständig. Doch er muss los, damit er im richtigen Moment zur Stelle ist. Denn Gott ist es nicht egal, dass dieser Minister so unzufrieden mit seiner bisherigen Suche.

Bei ihm wird das, was der Minister liest plötzlich lebendig und wichtig. Gottes Wirklichkeit wird durch Philippus erfahrbar. Er kann die unverständlichen Worte – und das unbewusste Sehnen nach einer Veränderung in einen neuen Zusammenhang bringen.

Bei Jesus, meint Phillipus, da kannst du selbst als Eunuch einen Halt finden. Für alle Menschen bietet er eine Chance für ein neues Leben. Und der Minister erkennt: Das ist es jetzt für mich. Da will ich dazu gehören. Und beim ersten Wasser am Wege lässt er sich taufen.

„Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse!“ – Mit diesen Worten, mit dem Herabsteigen vom Wagen und mit der Taufe macht der äthiopische Kämmerer einen gewaltigen Schritt. – Dieser Schritt verändert sein Leben mehr, als wir es uns vorstellen können. Denn mit einem Mal steht seine ganze Existenz auf dem Spiel: Sein Beruf als einer der höchsten Beamten am äthiopischen Königshof; seine Familie, die von seinem Entschluss zur Taufe völlig überrascht sein wird; sein Freundeskreis, in dem er nun ein Außenseiter, ein Exot ist. – Und trotzdem: Er hat sich nicht hindern lassen!
Und – und für mich ist das der schönste und wichtigste Satz der ganzen Geschichte: Er zog seine Straße fröhlich. Für ihn war alles klar,

In der Taufe beginnt für diesen Minister etwas, was ihn fröhlich in die Zukunft blicken lässt: Ich habe bei Jesus das gefunden, was mir bisher gefehlt hat. Jetzt bin ich ein anderer geworden, einer, der in der Zukunft mehr erwarten kann als nur den nächsten Gehaltsscheck oder die nächste Urlaubsreise. Hier sind mir die Augen neu geöffnet worden, für das, was es sonst im Leben mit Gott noch alles zu entdecken gibt. Es ist so schön, getauft zu sein..
Den Philippus beneide ich im Übrigen ganz schön – oft gelingt es nicht so auf Anhieb, jemanden für Jesus zu begeistern. Da gehört einiges dazu auch an Hilfe von oben. Und viel Zeit und offene Ohren – doch wenn man dann Menschen findet, dich sich langsam zuerst und dann immer bewusster mit einem auf den Weg machen, dann kann man als Prediger nur dankbar sein. Und letztlich auch seine Straße fröhlich weiter ziehen.

Amen

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