Bob Dylan – Fallen Angels

Schon häufiger hat Bob Dylan seine Alben – bewußt oder zumindest nicht zufällig – in Zyklen veröffentlicht. Man denke etwa an die Folge von Time Out of Mind, Love And Theft und Modern Times. Jetzt also kommt der zweite Teil von seiner Auseinandersetzung mit den großartigen Songs, die Frank Sinatra in seiner langen Karriere veröffentlicht hat. Wobei Dylan die Stücke aus dem Great American Songbook zurückholt von der großen Showbühne und sie interpretiert zwischen Keller-Jazz, Barblues und Roadhouse Country. Und genau das tut Stücken wie „It Had To Be You“ oder „All Or Nothing At All“ richtig gut: meist begleitet von seiner eingespielten Tourband werden die Nummern zurückgeholt in den Alltag, herausgerissen aus dem musikhistorischen Museum.

Wie schon in seiner ganzen Karriere macht er damit die Geschichte Amerikas hörbar, leuchtet in Ecken hinein, die man im Glamour von Vegas oder New York übersieht. Und man spürt mit jedem neuen Lied, wie weit sich der Jazz sich in den Jahrzehnten von seiner Basis als populäre Tanzmusik entfernt hat. Genau so würde ich mir heute im 21. Jahrhundert viel mehr Jazzalben wünschen: verliebt in die Vergangenheit, aber in der Person des Künstlers und in seiner Interpretation ganz hier und jetzt.

Dass Dylan nicht singen kann, ist eine seit Jahrzehnten immer wiederholte und ebenso lange Falschaussage. Wie er hier jazzig swingend phrasiert und sich bis in die einzelne Nuance in die Lieder hineinbegibt, ist schlichtweg meisterlich. Nur dass er eben – wie eigentlich jeder große Sänger zwischen Pop, Jazz, Rock und Blues nicht den Standards eines italienischen Belcanto entspricht.

„Fallen Angels“ ist ein mehr als hörenswerter Ausflug in die Welt Sinatras. Und für mich ist es wesentlich überzeugender gelungen als „Shadows In The Night“.
 

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