David “Honeyboy” Edwards (1915-2011)

Man nannte ihn den "letzten Mississippi-Bluesman". Denn er war wirklich der letzte, der sich noch an die Musiker der ersten Generation des Delta-Blues erinnern konnte. Mit Musikern wie Big Joe Williams oder Charley Patton trat er auf. Und er war dabei, als Robert Johnson vergiftet wurde. Doch bei all den historischen Reminiszenzen vergisst man zu leicht, das David "Honeyboy" Edwards eben auch ein eigenständiger und wundervoller Musiker war, der den Deltablues über Chicago nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart gebracht hat.
 
Wenn man etwas über den mysteriösen 30. Song von Robert Johnson hätte erfahren wollen, dann wäre jemand wie David "Honeyboy" Edwards der richtige Ansprechpartner gewesen, meinte Charles Shaar Murray mal in einer Anmerkung zu dem Film "Crossroad". Denn der Willie Brown, der in dem Film alt und lebendig geschildert wird in den 80er Jahren, der war damals schon längst tot, während Edwards letztlich seit den 50er Jahren konstant in der Bluesszene Chicagos zu erleben war und in seiner Musik die das Erbe Robert Johnsons und des ganz frühen Delta-Blues in die Gegenwart brachte.
 
Gebore wurde er am 28. Juni 1915 in Shaw (Mississippi) als Enkel eines ehemaligen Sklaven. Schon als Kind musste er auf den gepachteten Baumwollfeldern seiner Familie mitarbeiten. Von seinem Vater, der nebenbei Gitarre und Violine in lokalen Bands spielte, bekam er seine erste Gitarre. Und als er 14 Jahre alt war, zog er von zu Hause fort, um künftig gemeinsam mit [[Big Joe Williams]] als Musiker unterwegs zu sein. Letztlich führte er die ganzen 30er und 40er Jahre das Leben eines reisenden Bluesman. Und dabei spielte er mit allen zusammen, die damals im Delta den Blues spielten. Besonders mit Robert Johnson verband ihn bald auch eine enge Freundschaft. Dem Autor Robert Palmer erzählte er 1981 für dessen Buch "Deep Blues":
 
"On Saturday, somebody like me or Robert Johnson would go into one of these little towns, play for nickels and dimes. And sometimes, you know, you could be playin' and have such a big crowd that it would block the whole street. Then the police would come around, and then I'd go to another town and where I could play at. But most of the time, they would let you play. Then sometimes the man who owned a country store would give us something like a couple of dollars to play on a Saturday afternoon. We could hitchhike, transfer from truck to truck, or if we couldn't catch one of them, we'd go to the train yard, 'cause the railroad was all through that part of the country then…we might hop a freight, go to St. Louis or Chicago. Or we might hear about where a job was paying off – a highway crew, a railroad job, a levee camp there along the river, or some place in the country where a lot of people were workin' on a farm. You could go there and play and everybody would hand you some money. I didn't have a special place then. Anywhere was home. Where I do good, I stay. When it gets bad and dull, I'm gone."
1935 kam er nach Memphis und spielte auf der legendären Beale Street. Doch schon bald überkam ihn das Heimweh nach Mississippi und er zog zurück in den Süden, wo er gemeinsam mit dem Harpspieler [[Big Walter Horton]] auftrat. 1942 nahm er für Alan Lomax und die Library of Congress in Clarksdale fünfzehn Titel auf. Doch kommerzielle Aufnahmen mit ihm entstanden erst 1951, als er für kleine Labels seine ersten Singles einspielte. Dabei kam er irgendwann auch mal zu Chess Records. Doch bis auf seine Mitwirkung bei den Sessions, die Fleetwood Mac mit Chess-Musikern machte, blieben diese Aufnahmen lange unveröffentlicht.
 
Auch wenn er letztlich seit den 70er Jahren mehr oder weniger regelmäßig Platten veröffentlichte, blieb Edwards die ihm zustehende Anerkennung lange versagt. Erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts bekam er eine wachsende Zuhörerschar nicht nur in Chicago, als er begann regelmäßig mit der Cover- & Bluesband Devil in a Woodpile aufzutreten. Eigentlich war diese Band ja bekannt dafür, dass sie Hits etwa der 80er Jahre in der Art einer Jugband interpretierte.
 
1997 erschien mit "The World Don't Owe Me Nothing" die von Musikern und Kritikern hochgelobte Autobiografie von Edwards – begleitet von einer Live-CD, die er gemeinsam mit Bluesharpspieler Carey Bell aufnahm. Darauf spielt er nicht nur Klassiker etwa von Robert Johnson. Er erzählt auch ausführlich über sein Leben mit und für den Blues. Auch filmisch wurde sein Leben verewigt etwa in der 2002 erschienenen Dokumentation "Honeyboy" oder in Scorseses Serie "The Blues". Und er wirkte auch in anderen Filmen mit, etwa in der Fernsehdokumentation "The Search for Robert Johnson", wo er über den verhängnisvollen letzten Auftritt Johnsons erzählt, bei dem er von einem eifersüchtigen Mann vergifteten Whisky bekam, an dem er letzlich starb.
 
David "Honeyboy" Edwards starb letztlich friedlich in seiner Wohnung in Chicago am 29. August 2011. Er ging ein in den "Blues-Himmel", wie es auf seiner Webseite heißt. Bis zum Frühjahr war er noch bei Konzerten und Festivals aufgetreten. Doch seine nachlassende Gesundheit führte dazu, dass für den Sommer auch in Europa geplante Konzerte nicht mehr stattfinden konnten.

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