Bob Dylan – The Witmark Demos 1962-1964

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Als Teil 9 von „The Bootleg Series“ wurden 49 Songs veröffentlicht, die Bob Dylan zwischen 1962 und 1964 für seinen Musikverleger aufgenommen hat. Auf „The Witmark Demos“ finden sich in äußerst spontaner und teilweise bewußt unvollkommener Weise aufgenommene Lieder aus der Frühzeit Dylans als Hero der Folkbewegung.

 

Musikverlage sind die beste Methode, um mit Musik Geld zu verdienen. In einer Zeit, wo in der New Yorker Tin Pan Alley Mengen von professionellen Songschreibern mit Liedern für die verschiedensten Künstler zwischen Broadway und Rock ’n‘ Roll ihr Geld verdienten, war das Auftreten von Bob Dylan Anfang der 60er Jahre so etwas wie das Signal für einen gewaltigen Umbruch.

Das Folkrevival in den Vereinigten Staaten war im Prinzip eine Untergrundbewegung. Nur selten kamen Leute wie Pete Seeger oder andere in die normalen Radiosendungen oder gar die Hitparaden. Wenn man als Folkmusiker bei Folkways Aufnahmen machen konnte, dann war das so etwas wie ein Ritterschlag. Doch Geld ließ sich bei einem so kleinen Label nicht verdienen. Als Bob Dylan daher bei John Hammond von Columbia einen Vertrag unterzeichnete, war das schon der erste Schritt aus dem Getto heraus. Und es bot sich ihm die Möglichkeit, seine Lieder über den angeschlossenen Verlagsvertrag auch bei anderen Künstlern unter zu bringen.

So wurden Songs wie „Blowing In The Wind“ eher in Fassungen von Peter Paul & Mary (und spätere Lieder in Aufnahmen von The Byrds) zu profitablen Hitsingles und brachten Dylan mehr ein, als seine ersten eigenen Alben. Regelmäßig spielte er daher für seinen Verleger Demoaufnahmen neuer Lieder ein, damit diese einerseits bei den Verwertungsgesellschaften registriert und andererseits auch interessierten Künstlern angeboten werden konnten.

Auf den Witmark-Demos finden sich daher Fassungen von solchen unsterblichen Liedern wie „Blowing In The Wind“, „Don’t Think Twice, Its’s All Right“ oder „The Times They Are A’Changing“. In chronologischer Folge kann man so die Entwicklung Dylans als Songschreiber verfolgen – und auf Grund der wirklich spontanen und teilweise extrem dilletantischen Aufnahmen diese Lieder noch einmal völlig neu entdecken. Wer Dylans Einfluss auf die Geschichte der populären Musik nachvollziehen will, kommt an der ausgesprochen gut aufgemachten Doppel-CD mit einem sehr informativen Booklet nicht vorbei.

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