Long John Hunter – Biografie

Bis er 80 Jahre alt war, trat er regelmäßig auf. Sein letztes Album hatte Long John Hunter 2009 veröffentlicht. Am 4. Januar 2016 ist der Songwriter und Gitarrist in Phoenix (Arizona) verstorben.

Seine Karriere dauerte 60 Jahre – schon in den 50er Jahren begann der in Texas aufgewachsene John Thurman Hunter regelmäßig live zu spielen. Doch anstatt in den Clubs von El Paso aufzutreten, wo er seit 1957 lebte, leitete er die Hausband im Lobby Club im benachbarten Juarez (Mexico). Das war die harte Schule des Showmans: Wenn es in dem Laden am Abend keine Vielzahl von Schlägereien gab, war es eine schlechte Nacht, sagte er in einem Interview. Überall wurden seine Tricks bekannt: Er legte die Gitarre der schönsten Frau in den Schoß und spielte. Oder er ließ sich beim Spielen mit einer Hand von der Decke hängen. Doch all das sind natürlich nur Zugaben. Wenn die Musik nicht stimmt, dann nützen einem auch die besten Showtricks nichts.

Nach einem Konzert von B.B. King besorgte sich Hunter seine erste Gitarre. Und angeblich soll er die nächste Nacht schon aufgetreten sein für eine Gage von 2,50 Dollar. 1953 jedenfalls veröffentlichte Duke Records seine erste Single. Sein Stil war eine Mixtur aus swingendem Blues und messerscharfen Gitarrenlinien in der Nachfolge von den texanischen Kollegen wie Albert Collins.

Nach der ersten Single machte sich Hunter auf nach Houston, um Kapital aus der Veröffentlichung zu schlagen. Er spielte Shows mit Little Milton, Johnny Copeland und zahlreichen anderen. Doch so richtig kam die Karriere in der Großstadt nicht in Gang.

So zog er zwei Jahre später nach El Paso, fuhr noch in der gleichen Nacht über die Grenze nach Juarez und bekam dort den Job in der Lobby Bar, den er 13 Jahre lang behielt: Sieben Nächte in der Woche spielte er von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang vor Soldaten, Touristen, Studenten, Nutten, Cowboys und Playboys. Hier brauchte man mit traurigen Songs eines melancholischen Bluesman nicht erst anzufangen. Hier war tanzbare Partymusik gefragt. Und je wilder die Bühnenshow, desto besser der Abend.

Und schon bald begann man sich in Texas von den wilden Shows zu erzählen. Clarence Gatemouth Brown, Albert Collins, Big Mama Thornton, Lightnin Hopkins und Etta James kamen vorbei und erzählten ihm von den Möglichkeiten jenseits der Grenzen von Texas. Selbst Buddy Holly kam nach Juarez, um Hunter zu sehen, bevor er selbst ein Star wurde. Und James Brown ließ seine eigene Band zwei Mal Shows von Hunter anschauen.

Die Plattenkarriere kam auch in El Paso nicht wirklich voran. Einzige Singles erschienen Anfang der 60er Jahre (1986 wurden sie als Album „Texas Border Town Blues“ neu auf den Markt gebracht.) Hunter war der Bluesking von Juarez – aber außerhalb des Ortes blieb er bestenfalls ein Geheimtipp. Auch als die Lobby Bar schloss und Hunter begann, im Westen von Texas zu touren, änderte sich daran nichts. Erst 1993 erreichte er mit dem Album „Ride With Me“ endlich eine größere Zuhörerschaft. Doch kurz nach der Veröffentlichung ging das Label Spidletop pleite und es dauerte noch drei Jahre, bevor er bei Alligator Records eine neue musikalische Heimat fand. Nach dem Labeldebüt „Border Town Legend“ kamen noch drei weitere Alben bei Alligator heraus, Hunter schrieb sogar einzelne Songs gemeinsam mit Bruce Iglauer.

Und damit konnte er endlich auch bei den großen Festivals in den USA und auch in Europa auftreten. Noch 2013 trat er im legendären Apollo Theatre in New York auf.
 

Autor

Der Theologe Gary Burnett unterrichtet Neues Testament und neutestamentliches Griechisch am Queen’s University Institute of Theology in Belfast. In seinem Blog "Down at the Crossroads" veröffentlicht er Texte, die besonders den Bezügen zwischen Blues und Glauben nachforschen. In der Glaubensgemeinschaft, in der Burnett lebt, organisiert er außerdem jedes Jahr einen Bluesabend wo es nicht nur Live-Musik gibt, sondern auch gemeinsam über Musik und Glauben nachgedacht wird. http://downatthecrossroads.wordpress.com

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