John Mayall – Biografie

1933 bei Manchester geboren, begeistert er sich schon als Kind für Blues und Jazz. Er singt, spielt Gitarre und Klavier, entscheidet sich aber erst mit dreißig für eine Vollzeitkarriere als Musiker.

Davor war er schon als Grafiker tätig, diente im Koreakrieg in der britischen Armee in Korea und lebte für mehrere Jahre in einem Baumhaus. Mit seiner Band Blues Syndicate tritt er in den 60ern in Clubs rund um Manchester auf.
Auf Anregung von Korner zieht er nach London, wo er seine Band in Bluesbreakers umtauft. Hier zeigte sich etwas, was über die Jahre hinweg typisch für die Bands von Mayall war: ständig wechselten die Musiker. Zu den ersten Besetzungen gehörten John McVie am Bass, Bernie Watson an der Gitarre und Schlagzeuger Hughie Flint.

Doch erst als 1965 Eric Clapton als Gitarrist hinzu stieß (Watson wurde von Mayall kurzerhand gefeuert) traten die Bluesbreakers in ihre erste “klassische” Phase ein. Viele ehemalige Yardbird-Fans folgten Clapton und verschafften den Bluesbreakers zu einem Durchbruch in den “Underground”-Clubs der Londoner Blues-Szene.

Aber bereits im August 1965 machte sich Eric aus bis heute ungeklärten Gründen aus dem Staub. Zusammen mit ein paar Musiker-Kollegen wollte er eine Band namens “The Glands” gründen und durch die Welt reisen. Weiter als bis Griechenland kamen sie jedoch nicht. Während Claptons Abwesenheit probierte Mayall alle möglichen Ersatz-Gitarristen aus darunter auch Peter Green, der alles andere als erfreut war, als Eric im November 65 plötzlich wieder auftauchte und er überflüssig war. Im März 1966 spielte Mayall The Bluesbreakers featuring Eric Clapton ein. Es war das bis dahin wichtigste brltische Bluesalbum und machte Clapton zum Star. Als die Platte im Juli herauskam, gelangte sie sofort in die Top Ten der Charts, aber zu dem Zeitpunkt war Cream schon geboren, und Clapton gehörte nicht mehr zu den Bluesbreakers.

Mayall tat sich natürlich schwer, einen Ersatz für Clapton zu finden. Die beste Lösung war immer noch Peter Green, obwohl sich dieser verständlicherweise zunächst stur stellte. “Der wollte zuerst nicht, war immer noch beleidigt, weil er rausgeschmissen worden war, als Eric zurückkam”, sagte Mayall. Außerdem hatte Green ein Angebot von The Animals. Dem Publikum (ebenso wie Mayalls Platten-Produzenten Mike Vernon) wurde schnell klar, dass diese Maßnahme ein Geniestreich Mayalls war. Green war völlig anders, als die sonstigen Schnellspieler der Londoner Blues-, Rock- und Pop-Szene. Er spielte auf seiner Gibson Les Paul langsam Ton für Ton, aber das in begnadeter Weise.

Peter zu seiner Arbeit bei Mayall: “Manchmal hat es sogar Spaß gemacht. Aber ich selbst fand mich dieser Aufgabe kaum gewachsen. Ich versuchte, so gut wie Eric Clapton zu spielen. Ich musste es versuchen, denn ich hatte seinen Platz auszufüllen. Bei den Yardbirds spielten er und die Band das Solo-Break von Anfang bis Ende noch gemeinsam, und das war hervorragend. Aber dann begann Eric, zu viele Solos zu spielen. Es kann auch sein, dass John Mayall das so wollte, ich weiß nicht. Jedenfalls musste ich bei ihm genauso arbeiten.” 1967 kam das Album “A Hard Road” heraus. Auf Tracks wie “The Supernatural” und “The Stumble” bewies Peter Green, dass er der Herausforderung, an Eric Claptons Stelle zu treten, durchaus gewachsen war. Und als Sänger bei “You Don’t Love Me” und “The Same Way” übertraf er seinen Bandleader-Boss bei weitem.

Peter Green, der den ständigen Personalwechsel (Mayall feuerte andauernd Bassisten und Schlagzeuger) bei den Bluesbreakers leid war, verließ im Mai die Band, um kurz darauf mit Mick Fleetwood Fleetwood Mac zu gründen. Nebenbei (im September) knöpfte er Mayall auch noch John McVie ab. Zum Glück war dieser vorher noch bei Mayalls nächstem Album Crusade mit von der Partie, zusammen mit einem gerade 18 Jahre jungen Milchgesicht namens Mick Taylor.

Crusade war nach demselben Muster wie die vorigen Bluesbreaker-Alben gestrickt: eine Mischung aus Songs von bekannten Blues-Interpreten wie Buddy Guy, Albert King oder Sonny Boy Williamson II, einigen Original-Kompositionen von Mayall sowie mindestens einer “Show- Nummer” für den Stargitarristen, im Falle von Crusade “Snowy Wood”. Mit Crusade bezog Mayall eindeutig “Blues-Stellung”, indem er Stücke seiner Idole auswählte und selbst einen Song schrieb, der dem Chicagoer Bluesman J.B. Lenoir gewidmet war. Lenoir war einige Monate vor Erscheinen von Crusade an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Crusade nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als es das letzte “reine” Bluesalbum ist, das Mayall für einige Zeit aufnehmen sollte.

Kurz darauf experimentierte er mit Jazz-Elementen: Er stellte eine Bläsergruppe mit dem Jazz-Saxophonisten Dick Heckstall-Smith für die Band zusammen. Der hatte zuvor mit Graham Bond und Alexis Korner gespielt. Im April kamen zwei weitere Jazzer zur Band: der Schlagzeuger Jon Hiseman und der Bassist Tony Reeves. Mit dieser Besetzung erschien 1968 Bare Wires. Das Album war meilenweit vom Chicago Blues entfernt. Außerdem stellte es das erste dar, auf dem alte Titel von Mayall stammten, und es war, um im Jargon der Zeit zu bleiben, “progressiver” als die vorigen. Mit Bare Wires wandte sich Mayall von bisherigen Erfolgsrezept der Bluesbreakers ab. Bare Wires war der erste zögernde Schritt in die Richtung der Blues-Jazz-Fusion, die er im Laufe der nächsten Jahre anstrebte.

Bereits zwei Monate nach dem Erscheinen von Crusade hatten sich die Bluesbreakers so gut wie aufgelöst. Mayall zog vorübergehend, nur mit Mick Taylor im Schlepptau, nach Los Angeles, wo er das Material für sein nächstes Album, “Blues from Laurel Canyon”, schrieb. Mayall mag noch Zweifel an seinem “Gesinnungswandel” gehabt haben, was sich sowohl thematisch als auch musikalisch in Laurel Canyon niederschlägt. Es handelt sich jedoch um ein interessantes Album: selbst der leidgeprüfte Peter Green spielt bei einem Titel mit, und Mayall bewies, dass er selbst nach vielen Jahren dem Blues-Genre immer noch neue Seiten abgewinnen konnte.

Schließlich wandte er sich jedoch vom traditionellen Blues-Band-Format endgültig ab. Er beendete seine fünfjährige Partnerschaft mit Decca und ging bei Polydor unter Vertrag. Für dieses Label nahm er 1969 Turning Point auf, und zwar nur mit einer Vier-Mann-Gruppe, ohne Schlagzeuger und ohne Star an der Gitarre (Mick Taylor war als Ersatz für Brian Jones zu den Rolling Stones gegangen). Auf dem Covertext des Albums, das live im Fillmore East in New York entstand, schrieb Mayall: “Die Zeit ist gekommen, da der Blues eine neue Richtung einschlagen muss . . . Ich wollte eine neue Band ins Leben rufen, die bisher wenig bekannte Bereiche im Rahmen akustischer Musik erkunden sollte.”

Diese Band bestand aus dem Multi-Instrumentalisten Johnny Almond, dem Bassisten Steve Thompson und dem (akustischen) Gitarristen Jon Mark. Das Resultat war eine frei fließende ruhig Musik. Und mit “Room To Move” wird hier einer der größten Hits von Mayall vorgestellt, mit dem er noch heute an der Mundharmonika brilliert.
Nach seiner Umsiedlung nach Los Angeles gründete Mayall eine amerikanische Band, und zwar mit ehemaligen Mitgliedern von Canned Heat. Hinzu kam der Geiger Sugarcane Harris.

“USA Union”, ein 1970 erschienenes Album, setzte den Trend zur Fusion-Musik fort. Obwohl Mayall während der 70er Jahre sowohl auf Tournee ging als auch im Studio hart arbeitete, brachten die musikalischen Experimente dieser Zeit nicht das gewünschte Resultat. Jazz Blues Fusion (1972), Moving On (1973), Ten Years Are Gone (1973) und Latest Edition (1975) schadeten seinem Ruf mehr, als sie nützten. Zwischen 1975 und 1981 spielte er acht Alben ein, darunter eins mit dem treffenden Titel Bottom Line (1979; etwa: “Am Ende”).

Erst 1982 ging es wieder aufwärts. Der bei Fleetwood Mac äußerst erfolgreiche John McVie schlug eine Revival-Tour vor, und die Bluesbreakers waren wiedergeboren mit Mick Taylor und dem Schlagzeuger Colin Allen, der an Laurel Canyon mitgearbeitet hatte. Das Unternehmen war nur von kurzer Dauer, aber es stieß Mayall mit der Nase auf die unumstrittene Tatsache, dass die Bluesbreakers immer noch ein Erfolgsrezept sein konnten. Dies allerdings nicht ohne einen spitzenmäßigen Gitarristen. Mayall besorgte sich gleich zwei: zuerst Coco Montoya, dann noch Walter Trout von Canned Heat. Damit war Mayalls zweiter Durchbruch nicht aufzuhalten. Vor allem in Europa fand er ein frisches Publikum.

Die neu formierten Bluesbreakers gaben ein in Ungarn aufgenommenes Live-Album heraus, das zu der ausgezeichneten LP Chicago Line (1988) führte und als Mayalls beste Arbeit seit langem angesehen wurde. Es folgten die ebenfalls erstklassigen Alben A Sense of Place (1990) und Wake Up Call (1993) oder Along for the Ride mit zahlreichen alten Musikerkollegen. Mittlerweile ist er über 80 und immer noch live und im Studio aktiv. Die Zahl seiner Plattenveröffentlichungen kann man mittlerweile nur noch schätzen. Denn neben “offiziell” vertriebenen Alben hat Mayall zahlreiche alte Aufnahmen aus seinen Archiven in den letzten Jahren auf seinem Privatlabel in limitierten Auflagen veröffentlicht. Seit langem ist er als lebende Legende des Blues weltweit anerkannt. Und musikalisch ist er seit vielen Jahren fort von den rastlosen Experimenten. Als Keyboarder und Harpspieler, aber auch noch immer als Bandleader pflegt er einen modernen Blues, den man fast klassisch nennen könnte.

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