JJ Cale (1938-2013)

 Ich habe noch nie einen Nachruf verfasst, und einen Nachruf auf eine derart monumentale Gestalt wie John Weldon Cale zu schreiben kann auch schnell anmaßend wirken. Glücklicherweise ist mir das wurscht.

 Im schönen Waldburgund drückte mir der Vater eines Freundes vor rund siebzehn Jahren also ‚Troubadour‘ in die Hand. Hier kann ich eigentlich schon aufhören... Als Dorfkids haben wir uns genauso blöd verhalten wie die anderen, aber wir haben JJ Cale gehört und jetzt wo ich ein wenig darüber sinniere, wir haben viele Leute damit angesteckt und es später in den Studenten-WG-circuit gebracht. Als ich mal bei einem Aushilfsjob im Plattenladen ‚Guitar Man‘ auflegte kam der Kollege von hinten nach vorn gebraust und machte der Belästigung ein Ende. Wir seien schließlich nicht im wilden Westen. Wie weit ab er von jeglichem Verständnis - im Sinne von understanding – war, läßt sich nur erahnen. Damit sollten wir uns aber nicht aufhalten.

Eine schöne Anekdote ist Cales Antwort auf die Frage wie er denn die 80er Jahre verbracht hätte. Die lapidare Antwort war, er habe den Rasen gemäht und Rap-Platten gehört, eine Tatsache die John Hammond Jr bestätigen konnte. Viel wurde erzählt über die unaufdringliche Art, die relaxte Schmooveness, Eric Clapton nahm sich einiger Songs an und kometenhaft ging es weiter. Dire Straits, Chris Rea, Allman Brothers, Chet Atkins, Randy Crawford, Johnny Cash, The Band, Beck Hansen, ZZ Top, Jools Holland, aber auch Spiritualized, viele haben diesen Sound als das erkannt was er war und diesen Jahrhundertkünstler mit ihren Interpretationen gewürdigt. Und ich kleiner Spinner rauchte Gitanes, wegen ‚Shades‘. Das habe ich glücklicherweise drangegeben.

 Es gab ja nicht wirklich viele Filmaufnahmen von ihm vor Youtube. Die DVD mit Leon Russell war da das Höchste der Gefühle. Talk about a motley crew! Schaut sie euch an. Diese Band war uns wichtiger als jeweils aktuelle Veröffentlichungen. Mein Kumpel übte am Bass nach dem Vorbild Tim Drummonds, Leon Russell war wirklich ein Master of Ceremony und im stillen Kämmerlein hatten wir völlig zu Recht ein Faible für Christine Lakeland. Von Larry Bell in Rollschuhen ganz zu schweigen. Mojo.

 Dann, 2004 gab es wieder ein Lebenszeichen. ‚To Tulsa And Back‘ auf Capitol Records, großer Move. Ich war damals Praktikant bei Glitterhouse Records und Herr Holstein wurde genauso bekloppt wie ich. ‚The Problem‘, mit das böseste was es lyrisch gesehen je von JJ Cale zu hören gab nudelten wir bis zum gehtnichtmehr. Ein Song von kaum drei Minuten. Man kann auch bedenken wie einfach er es sich hätte machen können, und einfach auf die Americana-Drüse gedrückt hätte. Nix da, er spielte Casio-Gitarren und erzählte manchmal irritierende Geschichten, ‚Artificial Paradise‘ oder ‚Devil‘s Nurse‘ fallen meiner Meinung in diese Kategorie.

Was ist also der Genius dieses Künstlers? Selbstverständlich war er ein Monstergitarrist, was sich einem medial übersättigtem Konsumenten eventuell nicht sofort erschließt. Pech gehabt, dann bleibt Finesse eben ein In-club obwohl wirklich jeder eingeladen ist. Verbindlich und für jeden verständlich ist die Tatsache daß JJ Cale rund 14 Studioplatten eingespielt hat. Das ist erst einmal eine stattliche Ansage. Man könnte kitschig werden und von einer ruhigen Gestalt in hektischen Zeiten faseln, aber das wäre höchstens die halbe Wahrheit und utterly Deutsch. Der Mann war hellwach, anders läßt sich kaum erklären dass ‚#8‘ und ‚Travel-Log‘ von der gleichen Person stammen. Auch dieses geile Logo auf ‚Really‘, davon gab‘s in seinem Web-Shop 1998 Kaffeetassen. Hätt ich‘s mal gemacht…

‚The Road to Escondido‘ war dann schließlich die große Zusammenarbeit mit Clapton, seinem Gönner und Bewunderer. Im Interview mit der Zeitung Die Welt sagte er dass er, wäre Clapton nicht gewesen immer noch rumhängen würde. Und es kam auch zusammen, was zusammen gehört, Derek Trucks spielte auf ‚Who am I telling you?‘ das beste Gitarrensolo aller Zeiten. Punkt. Wo gehört das hin, wenn nicht auf einen JJ Cale Track? Natürlich hat Clapton dem scheinbaren Verweigerer zu nennenswertem Wohlstand verholfen. Aber das ist nur folgerichtig und schlicht das Richtige, bedenkt man dass er ohne Cale wohl ziemlich unbeholfen in die 70er Jahre gestolpert wäre. Und wir haben diese fantastischen Songs gehört. Easy as pie. Der selbe Kumpel den ich oben erwähnte, wollte Cale dann in Escondido besuchen als er in den USA tourte und verpasste ihn um Tage wie die Locals ihm mitteilten.

 Man kann sich wirklich den Kopf zerbrechen darüber wie magnetisch dieser Musiker war. Neulich waren wir auf dem Weg nach Belgien zu einem Auftritt und ich legte ‚Rewind‘ ein. Unser Bassist ist Exil-Texaner und flippte völlig aus, als Cales Version von ‚Waymore‘s Blues‘ kam. Also knallten wir die Autobahn runter und er sang lauthals seinen Waylon Jennings. Classic.

Abschließend kann man es wirklich runterbrechen darauf dass wir alle mehr JJ Cale hören sollten. Legt euch ‚Crazy Mama‘ auf von diesem kaum beschreiblichen Debütalbum ‚Naturally‘ mit diesem blöden Waschbär vorne drauf und Mac Gaydens Wahwah-Slidegitarre. Oder ‚Losers‘, ‚RocknRoll Records‘, ‚Low Rider‘, ‚Ride Me High‘, it‘s all in the lyrics. Die Frage ob das relevant ist oder nicht kann man ja die Experten klären lassen. In Zukunft wird es jedenfalls keine neuen Sounds von John Weldon Cale geben. Ich glaube dass man es auf lange Sicht merken wird.

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