Emanuel Young: Old School Blues in Detroit

Hallo aus Detroit! In diesem Monat Möchte ich Euch einen Schatz aus Detroit vorstellen, den Gitarristen Emanuel Young. Young ist 75 Jahre alt, aber noch immer erfolgreich! Er singt und spielt großartig. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich mit ihm so lange gemeinsam arbeiten konnte bei Auftritten und auf seiner CD „Live In Detroit“ (Emanuel Young With Howard Glazer & The EL 34s).

Als ich Emanuel erstmals 1999 traf, spielte er jeden Sonntag in AL‘s New Olympia Bar, die auf der anderen Straßenseite von dem Ort war, wo einmal Detroits altes Olympiastadion war. (Neben Sportveranstaltungen gab es dort auch viele Auftritte von Musikern – inklusive der Beatles.) Wir haben uns von anfang an gut verstanden und hatten immer Spaß dran, gemeinsam zu spielen. Oft „klauen“ wir einander Gitarren-Licks. Er ist wie eine Enzyklopädie von Gitarren-Licks. Und ich fühl mich immer geschmeichelt, wenn ich höre, wie er eins von meinen spielt. Emanuel und ich haben eine einzigartige Arbeitsbeziehung. Wir machen ständig Späße, ich rufe ihn und sage: „Hey Maultier“ und er antwortet mit : „Was geht ab, Dracula?“ und damit beginnt die Konversation. … Wir haben viele Shows gemeinsam gespielt, unter anderem sind wir gemeinsam 2008 nach Großbritannien gefahren, 2012 spielten wir jeden Freitag in Detroits Greektown Casino und 2013 traten wir bei Don Was‘s Detroit All Star Review im Concert of Colours ebenso auf wie bei vielen Bar-Gigs und auf Festivals in und um Detroit. Auch im Radio haben wir gemeinsam live gespielt bei verschiedenen Gelegenheiten.

Emanuel griff zur Gitarre in den späten 1950ern und hat sie seither nicht weggelegt. Nicht lange nach seinem Beginn tat er sich mit John Lee Hooker zusammen. Mit Hooker spielte er 1959 und 1960 fast zwei Jahre lang zusammen. Aus der Zeit hat er einige großartige Geschichten, eine meiner liebsten beginnt, als sie eine Pause bei einem Auftritt hatten und John Lee ihm sagte: „Nimm mein Auto und hole meine Freundin ab!“ … Emanuel hatte keine Ahnung, dass Hooker verheiratet war. Als er mit Hookers „Freundin“ beim Gig ankam, war Hookers Frau Maudy aufgetaucht. (Vielleicht kennt ihr Hookers Song „Maudy“!) Und sie war so wütend, dass sie ihre Knarre rausholte und Emanuel, Hooker & seine Freundin eine Gasse runterjagte und auf sie schoss. Zum Glück war sie keine gute Schützin! In jenen Tagen bekamen die Musiker etwa elf Dollar die Nacht und ein Bier kostete nur 30 Cent.

Emanuel spielte mit vielen der Legenden, unter anderem etwa mit Jimmy Reed und Albert King. Und er veranstaltete die Bluesnächte jeden Freitag und Samstag in Cooley‘s Lounge in Detroits Osten von 1978 bis der Laden 2005 dicht machte. Das ist eines der am längsten laufenden Programme in der Musikgeschichte von Detroit. Wenn die Bluesgrößen nach Detroit kamen, dann kamen sie dorthin und jammten mit ihm: Albert King, Howlin‘ Wolf und viele andere.

2007 trat ich mit Emanuel in The Halligan Bar in Detroit auf. The Halligan (benannt nach der Brechstange, die Feuerwehrleute benutzen um Dinge aufzubrechen, wenn sie Feuer bekämpfen) war ein Treffpunkt für Detroiter Polizisten und Feuerwehrleute. Ich brachte meine Aufnahmegerätschaften mit und machte einen Live-Mitschnitt. Daraus wurde „Live In Detroit“ von Emanuel Young with Howard Glazer & the EL 34s (so hieß meine Band damals). Die CD wurde von Random Chance Records in New York veröffentlicht und erhielt fantastische Kritiken und wurde rund um die Welt im Radio gespielt. Das Album kam bis auf Platz 10 der National Living Blues Charts.
Wir hoffen, bald eine neue CD von Emanuel Young zu veröffentlichen und hoffen ebenso, nach Europa zurück zu kommen. Schaut aus nach Emanuel Young, Howard Glazer und Harmonica Shah, die als „Detroit Legends of the Blues“ auf Tour gehen werden.

„Live In Detroit“ ist noch immer erhältlich, allerdings in begrenzten Stückzahlen, denn beim Label ist es vergriffen. Wenn Ihr es seht, solltet Ihr die Chance nutzen! Emanuel hat keine Webseite, man kann ihn aber über eyoungblues@aol.com kontaktieren.
Mit seinen Old School Blues-Rhythmen und dem aus den 50ern stammenden Sinn für Melodien ist für jeden Blues- oder Musikliebhaber klar: Die Musik dieses Mannes muss man hören, er fängt darin die Zeit ein, als sich der Blues zu etwas entwickelte, was zum frühen Rock & Roll wurde, was man heute ziemlich vergessen hat!

Ich hoffe, wenn Ihr das gelesen habt, nehmt Ihr Euch Zeit, um sowohl Emanuel Young auf youtube zu suchen als auch seine CD zu bestellen. Es gibt nur noch sehr wenige Bluesmusiker der Alten Schule in Detroit. Und wir sind sehr glücklich, dass Emanuel Young einer von ihnen ist.
 

Autor

Der Theologe Gary Burnett unterrichtet Neues Testament und neutestamentliches Griechisch am Queen’s University Institute of Theology in Belfast. In seinem Blog "Down at the Crossroads" veröffentlicht er Texte, die besonders den Bezügen zwischen Blues und Glauben nachforschen. In der Glaubensgemeinschaft, in der Burnett lebt, organisiert er außerdem jedes Jahr einen Bluesabend wo es nicht nur Live-Musik gibt, sondern auch gemeinsam über Musik und Glauben nachgedacht wird. http://downatthecrossroads.wordpress.com

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