Buddy Holly – Biografie

 Wo ist Buddy Hollys Brille jetzt?" fragten die Ärzte vor vielen Jahren in einem ihrer Lieder. Sie ließen die Antwort offen. Die gnadenlos unmoderne Brille fällt auf Bildern dieses Sängers und Komponisten zuerst auf. Doch man muss nur eine seiner Platten auflegen und versteht unmittelbar, dass es nicht so sehr das optische Hilfsmittel ist, was wir in der heutigen Musik so sehr vermissen, sondern die großartige Fähigkeit in weniger als drei Minuten komplette Geschichten aus dem Leben zu erzählen, die vollkommen zeitlos auch noch heute wirken können.

Als am 3. Februar 1959 bei einem Schneesturm im US-Bundesstaat Iowa eine kleine Propellermaschine zerschellte, starben drei Musiker, die gemeinsam auf der Rückreise von einem Konzert waren. The Big Bopper ist nur noch beinharten Rock’n’Roll-Fans bekannt. Richie Valens wird immer mal wieder mit seinem Hit “La Bamba” gespielt. Doch es war Buddy Hollys Tod, der 1971 Don McLean dazu brachte, das Datum als “Day the music died” zu klassifizieren. Und noch heute nennen zahlreiche Musiker den Man mit der Brille als eines ihrer Vorbilder. So haben die Rolling Stones nicht nur 1964 “Not fade Away” als Single veröffentlicht. Noch bei ihrer Tournee 1994/95 eröffneten sie jedes ihrer Konzerte mit diesem Stück. Auch Bruce Springsteen, The Beatles oder selbst Madonna bekennen sich zum Mann mit der unmöglichen Brille.

Geboren wurde er als Charles Hardin „Buddy“ Holley am 7. September 1936 in Lubbock, Texas in einer musikalischen Familie. Schon als Kind lernte er Klavier, Gitarre und Geige zu spielen. 1949 gründete er mit seinem Freund Bob Montgomery das Country-Duo Buddy & Bob. Gemeinsam spielten sie Country und Bluegrass. Doch nachdem er 1955 Elvis in Lubbock live erlebt hatte, wandte er sich der Rockmusik zu. Bald schon eröffnete er Konzerte etwa für Bill Haley. Und 1956 bekam er von Decca einen Schallplattenvertrag angeboten. Nach seiner ersten Singleproduktion gründete er seine Begleitband, The Crickets. Mit der Gruppe gelang ihm das für Weiße seinerzeit noch große Kunststück, das Harlemer Apollo-Theater, ein rein schwarzes Lokal, für sich zu gewinnen.

Dann folgte eine Solo-Tour, gemeinsam mit Valens, The Big Bopper und Teenie-Schwarm Dion. Am 2. Februar gastierte die Show im Surf Ballroom in Clear Lake, Iowa. Danach charterte Holly eine Beechcraft Bonanza, um mit seiner Begleitband nach Fargo in North Dakota zu fliegen, wo der nächste Auftritt geplant war. Das Flugzeug stürzte in einem Schneesturm mit Windspitzen um 270 km/h nach wenigen Minuten ab. Die Musiker und der Pilot waren sofort tot. Allerdings hatte Holly so viele Titel schon aufgenommen, dass noch zehn Jahre nach seinem Tod von der Plattenfirma neue Titel veröffentlicht werden konnten.

Für die damalige Zeit war Hollys Musik reichlich unkonventionell. Auch wenn er die klassische Bandbesetzung (zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug) für die Rockmusik populär gemacht hat, setzte er auch abseitigere Instrumente ein, um die Stimmung der Songs zu untermalen. Beispiel dafür ist etwa die Celesta bei “Everyday”. Daneben war er auch ein einflussreicher Rhythmus- und Leadgitarrist. Und mit seinem Image als “Netter Junge von Nebenan” machte er seine “Boy liebt Girl”-Songgeschichten wesentlich komplexer und anspruchsvoller, als zahlreiche Lohnschreiber damals und auch heute.

Ach so – seine Brille wurde lange nach Abschluss der Untersuchungen zum Flugzeugabsturz erst seiner Familie mit den anderen Hinterlassenschaften zurückgegeben.

  

 

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