Bo Diddley – Biografie

Außerdem ist der Name auch noch mit dem Diddley Bow, jenem einsaitigen Instrument der Farbigen verbunden, das im Blues später von der Slide-Gitarre abgelöst wurde und in ähnlicher Form auch schon in der afrikanischen Musik Verwendung fand. Zusammen mit seinem prägnanten „Bo Diddley-Beat“ passt dass sehr gut zu dem Musiker, der von vielen als einer der Väter der Rockmusik verehrt wird.

 Geboren wurde Bo Diddley am 28. Dezember 1928 in McComb, Mississippi als Ellas Otha Bates. Später wurde er von einem Cousin seiner Mutter adoptiert und nahm dessen Nachnamen MacDaniel an. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Chicago, wo er schon als Jugendlicher begann, an Straßenecken Musik zu machen. Schon da arbeitete er mit seinem langjährigen Freund und musikalischen Partner Jerome Green (1934–1973) zusammen. Nachdem Diddley zuerst die Violine gelernt hatte, wurde er durch das Hören von John Lee Hooker-Scheiben zur Gitarre bekehrt. Die Band nannte sich zunächst The Hipsters, später die Langley Avenue Jive Cats, nach der Straße, wo sie meist auftraten. Sie spielten eine Mischung aus Titeln von Louis Jordan, Hooker und Muddy Waters. 1954 stieß dann noch Mundharmonikaspieler Billy Boy Arnold zur Band, die mit „Bo Diddley“ und „I’m a Man“ ihre ersten Titel in den Chess-Studios einspielte. Diese Single wurde Diddleys erster Nr. 1-Hit. „I’m a Man“ wurde später von Muddy Waters umgewandelt in seinen berühmten Hit „Mannish Boy“.

Seine Lieder, nicht nur Teenagergeschichten, sondern auch gesellschaftliche Bemerkungen beinhaltend, sind musikalisch oft mitreißend simpel, kommen manchmal sogar  mit einem einzigen Akkord aus. Neben seinem Beat, der direkt auf afrikanische Rhythmen verweist, macht vor allem auch sein Gitarrespiel Schule. Er entwickelt zahlreiche Effektgeräte, seine viereckigen Gitarren werden geradezu zum Markenzeichen. Und er ist einer der ersten Musiker, die regelmäßig Frauen nicht nur als Backupsängerinnen, sondern gleichberechtigt als Instrumentalistinnen beschäftigen. Den Anfang macht Gitarristin Peggy Jones, später oft einfach als „Lady Bo“ bezeichnet.

Seine Serie von Hits reichte über „Pretty Thing“ (nach dem sich die britische Band Pretty Things benannte, die noch böser als die Stones sein wollten), „Mona“, „You Can’t Judge A Book By Looking At His Cover“ die ganzen 50er und 60er Jahre. Seine Texte, die er nicht gezielt auf den Teenagermarkt zuschneidet, beziehen sich auf Folksongs wie „Old MacDonald“ oder auf Wortspielereien der Farbigen. So ist „Who Do You Love“ eine lautmalerische Anspielung aufdenVoodoo/Hoodoo-Kult.Insgesamt 11 komplette LPs wurden von ihm allein zwischen 1958 und 1963 veröffentlicht. Mit Little Richard und den Everly Brothers tourte er auch durch Großbritannien. Als Vorband spielten damals die noch völlig unbekannten Rolling Stones.

Doch auch nach der großen Zeit des Rock ’n‘ Roll ließ Diddley sich nicht einfach nur für Oldie-Shows buchen. Immer wieder suchte er den Kontakt auch zu jüngeren Musikern. So eröffnete er 1979 die Tour der britischen Punks von The Clash. 1972 hatte er gemeinsam mit Grateful Dead in der New Yorker Musikakademie gespielt.

Die Ehrungen, die Diddley in den letzten Jahren seines zuteil wurden, sind Legion. So ist er nicht nur Mitglied der Rock ’n‘ Roll Hall of Fame und hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Für sein Lebenswerk erhielt er ebenso einen Ehrengrammy wie auch etliche seiner Songs spezielle Ehrungen bekamen. Der amerikanische Rolling Stone zählt ihn unter die hundert wichtigsten Musiker überhaupt.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Archer, Florida, wo er mit Kindern und Enkeln in einer Kirchengemeinde aktiv war. Am 2. Juni 2008 starb er nach langer Krankheit an einem Herzfehler.

Autor

Der Theologe Gary Burnett unterrichtet Neues Testament und neutestamentliches Griechisch am Queen’s University Institute of Theology in Belfast. In seinem Blog "Down at the Crossroads" veröffentlicht er Texte, die besonders den Bezügen zwischen Blues und Glauben nachforschen. In der Glaubensgemeinschaft, in der Burnett lebt, organisiert er außerdem jedes Jahr einen Bluesabend wo es nicht nur Live-Musik gibt, sondern auch gemeinsam über Musik und Glauben nachgedacht wird. http://downatthecrossroads.wordpress.com

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