Blues Piano Teil 3 – Jimmy Yancey

Auch wenn die Ursprünge des Boogie Woogie Pianos eigentlich in Texas zu suchen sind, hielten viele den in Chicago geborenen Jimmy Yancey (1901-1951) für dessen Erfinder. Auf jeden Fall hat Yancey schon vor der großen Popularität des Boogie so gespielt, nämlich schon vor 1920. In den 20ern gehörte er zu den bei „Rent Parties“ häufig gebuchten Musikern. Und in seinem Umfeld wuchs eine Gruppe Pianisten heran, zu denen die späteren Stars Meade Lux Lewis, Albert Ammons und vielleicht auch Clarence „Pinetop“ Smith gehörten.

 

Schon als Kind trat Yancey als Sänger und Steptänzer in Vaudeville Shows auf. Auch sein Vater war professioneller Tänzer. Um 1915 begann er mit dem Schreiben von Songs und trat bei öffentlichen Veranstaltungen als Pianist auf. Das Klavierspielen hatte er von seinem Bruder Alonzo, einem Ragtime-Pianisten, gelernt.

Doch außerhalb seines eigentlichen Umfelds blieb er bis etwa 1936 ziemlich unbekannt. Er vierdiente in den Jahren sein Geld als Platzwart bei den Chicago White Sox. Hier kam ihm zu Gute, dass er während des ersten Weltkrieges auch professionell Baseball gespielt hatte. Und bis zu seinem Tod gab er diesen Job auch niemals auf, selbst dann nicht, als er als Musiker erfolgreich geworden war.

Die Pianisten, die von seinem Stil gelernt hatten, waren schon große Stars. Und es war 1936, als Meade Lux Lewis eines seiner Stücke, den „Yancey Special“ auf Platte aufnahm. Und dann dauerte es noch drei weitere Jahre, bis Yancey selbst beginnen konnte, seine Songs aufzunehmen. Gleich bei seiner ersten Session nahm er 17 Stücke auf. Allerdings wurden nur die ersten beiden auf Platte gepresst, die anderen blieben unbeachtet bis nach seinem Tod.

Yancey nahm für verschiedene Label seine Platten auf, zunächst für Victor, später für OKeh, Vokalion und Bluebird. Mittlerweile trat er gemeinsam mit seiner Frau, der Bluessängerin Estelle „Mama“ Yancey auf. Gemeinsam waren sie etwa 1948 selbst in der Carnegie Hall zu erleben. Auch wenn die Kritiker seinen reduzierten Pianostil lobten – ganz anders als Ammons, Lewis, Pinetop Smith und die anderen, spielte er den Boogie Woogie äußerst reduziert und immer songdienlich, verkauften sich seine Platten nicht gut. Er war und blieb ein Musiker, der besonders bei anderen Musikern Anerkennung findet und ihnen mit seiner Kreativität Anregungen gibt.

So hatte er nur wenige Chancen, weitere Platten zu produzieren. Erst 1943 kam es bei einer Session zu gemeinsamen Aufnahmen mit seiner Frau Estelle. Schon seit 1917 waren sie verheiratet. Und ihre Stimme passte perfekt zu Jimmys Art, das Klavier zu spielen.

Und dann dauerte es wieder bis zum Dezember 1950, als John Steiner mit ihm sechs Stücke für Paramount aufnahm. Paar Monate später nahm dann das aufstrebende Label Atlantic Records mit ihm an zwei Tagen weitere 17 Stücke mit ihm auf. Bei fünf war Estelle wieder mit im Studio. Doch zwei Monate später, am 17. September 1951, starb Jimmy Yancey an einem diabetischen Schock.
 

Be the first to comment

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.