Blind Willie Johnson – Biografie

Von Gary Burnett. Titelbild: Ulrich Rauchbach. Englische Version

 Johnson wurde dadurch geehrt, dass eines seiner Lieder auf einer speziellen Aufnahme vertreten ist, die an Bord der Raumsonde Voyager, die 1977 gestartet wurde, um die Grenzen des Sonnensystems und die Tiefen des Raums zu erreichen. Die Goldschallplatte der Voyager enthält außerdem beispielsweise Musik von Beethoven, Mozart und Stravinsky. Was anderes intelligentes Leben im Universum mit Willie Johnson‘s „Dark Was The Night“ anfangen wird, das sollte sich jeder selbst ausdenken.

 Geboren 1897 in Texas erblindete er schon in jungem Alter, angeblich geriet er in einen Kampf zwischen seinem Vater und der Stiefmutter, die ihm eine Hand voll Ätznatron, ein stark basisches Reinigungsmittel, in die Augen warf. Sein Leben war war eines in Armut und er starb vor seinem 50. Geburtstag in den schlimmsten Zuständen, die man sich vorstellen kann. Er bekam Malaria, nachdem er in den Ruinen seines Hauses geschlafen hatte, das bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Die Berichte unterscheiden sich, aber scheinbar hatte man ihm die Behandlung im einem Krankenhaus verweigert entweder weil er blind oder weil er schwarz war.<br />     Zwischen 1927 und 1930 nahm Willie Johnson 30 Lieder für Columbia Records auf und verkaufte mehr als Bessie Smith mit seiner ersten Schallplatte „I Know His Blood Can Make Me Whole/Jesus Make Up My Dying Bed“. Die Weltwirtschaftskrise allerdings beendete Johnsonsn Plattenkarriere und er verbrachte sein Leben meistenteils mit Straßenmusik und Predigen an den Straßenecken. Er war ein versierter Gitarrist, spielte manchmal in einem rhythmischen Picking-Stil und manchmal Slide mit einem Metallring oder einem Messer. Eric Clapton nannte Johnsons Spiel auf „Nobody‘s Fault But Mine“ das „wahrscheinlich feinste Slide-Gitarrenspiel, dass man jemals hören wird.“

Am meistens erinnert man sich an ihn wegen seiner Gospel-Blues-Lieder. Zu denen gehören“Nobody‘s Fault But Mine“, „John The Revelator“, „Soul of a Man“, „God Don‘t Never Change“ und „Keep Your Lamps Trimmed and Burning“. Sein Stück „If I Had My Way I‘d Tear The Building Down“ brachte ihn ins Gefängnis. Offenbar spielte er vor einer Zollstation und man dachte, er verwende den Text, um einen Aufruhr zu provozieren. Das Lied ist allerdings eine Nacherzählung der biblischen Geschichte von Samson und Delilah. Später wurde es in der Bürgerrechtsbewegung populär.<br />    „Keep Your Lamps Trimmed and Burning“ wurde ein Standard von Mississippi Fred McDowell. Zuletzt wurde es auch von Ashley Cleveland, Luther Dickinson und Luke Winslow King gecovert.

Das Lied verweist auf das Gleichnis, das Jesus im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums erzählt (1-12) von den zehn jungen Frauen - Brautjungfern - von denen fünfen das Öl für ihre Lampen ausging. Die Szenerie ist die einer jüdisch-palästinensischen Hochzeit im ersten Jahrhundert. Hochzeitsprozessionen vom Haus der Braut zu dem des Bräutigams, begleitet von Gesang und Tanz, fanden normalerweise nachts statt und benötigten daher Licht. Die Lampen bei diesen Hochzeiten vermutlich Fackeln, vielleicht Stöcke, die mit ölgetränkten Lappen umwickelt waren. Fackelträgerinnen geleiteten die Braut zum Haus des Bräutigams, wobei sich der Bräutigam und seine männlichen Freunde anschlossen. In der Geschichte, die Jesus erzählt, warteten die Braujungfern außerhalb des Hauses der Braut auf sein Kommen, um sie zu seinem Haus zu begleiten. Bei diesen traditionellen Hochzeiten konnte sich die Ankunft des Bräutigams oftmals um Stunden verzögern, während die Verwandten der Braut über den Wert der ihnen gegebenen Geschenke feilschten, während sie den großen Wert der Braut hervorhoben. Die Fackeln wieder brauchten normalerweise alle 15 Minuten oder so neues Öl. Die Hälfte der jungen Frauen in der Geschichte hatten aufgepasst, dass sie genug Öl dabei hatten, damit sie bereit waren, wenn der Bräutigam schließlich kam. Die andere Hälfte musste schließlich im letzten Moment noch mal losgehen, um Öl zu kaufen und verpassten die Ankunft des Bräutigams, den Hochzeitszug und die Hochzeit.

Der Knackpunkt des Gleichnisses kommt in der Warnung Jesu an seine Jünger: Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde. Christen haben das in verschiedener Weise interpretiert: Als Hinweis auf das Jüngste Gericht, auf unseren eigenen Tod oder dass Jesus Gottes Gericht über Israel vorhersage, weil das ihn zurückgewiesen habe. Das sah Matthäus gekommen in der Eroberung Jersusalems und der Zerstörung Israels im Jahre 70. Eigentlich ist es egal, in welchem Sinne wir es verstehen, der Befehl lautet, bereit zu sein für den Tag der Krise. Jesus sagt, dass es sich dabei speziell um die Herrschaft des kommenden Gottes handelt, so dass wir die Geschichte als Illustration dessen nehmen könne, wie Menschen in der Nachfolge Jesu handeln sollen, vor dem Hintergrund der Herrschaft Gottes, wann auch immer die Entscheidung ansteht.

Wenn wir ein Stück weiterlesen in Matthäus 25 kommmen wir zu der Geschichte vom Großen Gericht, wo Jesus darüber spricht, wie Gott am letzten Tag richten wird - und, vielleicht zu unserer Überraschung, geschieht das auf Grundlage, wie gerecht wir gelebt haben. Wie haben wir die Armen, die Gefangenen, die Kranken, die Obdachlosen behandelt? Wir können wir erkennen was „seid wachsam“ bedeutet: es meint, sich nicht einfach treiben zu lassen, bequem in unseren eigenen kleinen Welten, uns „zu Tode zu amüsieren“, wie es Neil Postman deutlich zusammengefasst hat. Vielmehr sollen wir uns aktiv einbringen in das Streben nach Gerechtigkeit, sollen wir sicherstellen, dass zunächst die Hungrigen zu essen bekommen, dass die Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben, dass man nach den Obdachlosen schaut und sich um die Kranken kümmert und danach zu schauen, welche Ursachen dafür verantwortlich sind: die Ungerechtigkeit, Krieg, Vergeltung, die Interessen der Firmen. Das Königreich Gottes, von dem Jesus spricht, das geschieht nicht im Privaten, in der Innerlichkeit oder dem Persönlichen. Es ist nicht weniger als Gerechtigkeit, Frieden und Einigkeit für die Welt. Und dazu sind die Nachfolger Jesu aufgerufen.

Nachdem er die Geschichte der weisen und törichten Brautjungfern in Erinnerung gerufen hat, ruft uns Willie Johnsons Lied dazu auf, nicht besorgt zu sein sondern darauf zu schauen, was der Herr getan hat. In einer Welt, die verzweifelt Gerechtigkeit braucht, ist das zu verstehen, dass Gott durch Jesus sein Projekt zur Veränderung der Welt begonnen hat und dass wir daran mitwirken könne. Und das wird uns in die Lage versetzen, der Angst vor der Krise zu begegnen und statt dessen in seiner Art zu leben, welche den Frieden und die Gerechtigkeit von Gottes Königreich demonstriert.

 “Keep your lamps trimmed and burning,” brummt Wille Johnson. Der Auftrag ist nicht, sich einfach treiben zu lassen in der Hoffnung, dass irgendwie das Öl schon reichen wird oder dass der Tag der Krise irgendwie an uns vorbei gehen wird. Statt dessen sollen wir wachsam und bereit sein das Neue von Gott zu demonstrieren, den gerechten Weg, Mensch zu sein und wenn wir das machen darauf zu vertrauen, „what the Lord has done.“

Von Gary Burnett. Titelbild: Ulrich Rauchbach.

Das Titelbild hat der Bluesmaler Ulrich Rauchbach speziell für diesen Artikel gemalt. Das Original (Mixed Media, 100+80 cm) kann zum Preis von 1200 Euro bei ihm erworben werden. Anfragen per Mail an info@bluenoteart.com.

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