B.B. King (1925 – 2015)

In den letzten Jahren wurden seine Konzerte immer mehr zu Geschichtsstunden in Sachen Blues: B.B. King saß auf der Bühne, erzählte vom Blues und ließ nur noch manchmal Lucille wirklich lange Geschichten singen. Die musikalische Seite übernahm hauptsächlich seine großartige Band. Doch enttäuscht waren die Menschen nur selten: Wann hatte man schon mal die Chance, einer echten Legende zu lauschen? Und trotz der immer deutlicher werdenden gesundheitlichen Probleme schien B.B. King nur ganz unwillig ein wenig kürzer zu treten. Doch in den letzten Wochen musste er erst ins Krankenhaus eingeliefert werden, später entließ man ihn in die häusliche Pflege. Am 14. Mai ist B.B. King in Las Vegas gestorben.

Mit ”Three O’Clock Blues“ spielt Ende 1951 in Memphis ein junger Musiker die Platte ein, die den Beginn einer für den Blues einzigartigen Karriere markiert. Anfang 1952 erreicht diese Platte die Spitzenposition der nationalen R&B-Hitparade und bleibt dort fünfzehn Wochen.Riley B. King ist bereits seit ein paar Jahren Discjockey in Memphis und als ”Beale Street Blues Boy“ populär. Davon abgeleitet nennt er sich B. B. King. Was ist nun das Geheimnis des Erfolges vom ”Three O’Clock Blues“? Der Text allein kann es nicht sein, denn er handelt, wie viele Blues, von dem einsamen Mann, der den Verlust seiner Liebsten beklagt.

B. B. King hat vor dem ”Three O’Clock Blues“ bereits acht andere Singles eingespielt, die ihm den Ruf eines soliden Könners eingebracht haben, den Namen aber außerhalb von Memphis kaum bekannt werden ließen. Seine Gitarrenarbeit verrät noch deutlich das große Vorbild T-Bone Walker, stimmlich ähnelt er ”sanften“ Sängern wie Charles Brown. Beim ”Three O’Clock Blues“ aber erzeugt er mit der Gitarre eine eigenartig gespannte Atmosphäre und singt dazu wie bei einer Gospelpredigt. Beide Stilmerkmale perfektioniert er und faszinierte damit auch im 21. Jahrhundert noch das breiteste Publikum, das je ein Blueskünstler erreichte.

Dabei verläuft sein Leben wie das vieler anderer Kollegen: Geboren wird er am 16.9. 1925 in der Nähe von Indianola im Mississippi-Delta. Die Eltern trennen sich, als er vier ist. Nach dem Tod der Mutter kommt er zur Großmutter, die ihm ihre tiefe Religiosität übermittelt. Mit zwei Schulfreunden gründet er eine Gospelgruppe.

Nachdem er als Baumwollpflücker gearbeitet hat und kurze Zeit Soldat war (zwei Jahre gehörte er zur Reserve der Armee), geht er 1946 nach Memphis. Anlaufpunkt ist Bukka White, ein Cousin seiner Mutter, von dem er zehn Monate lang intensiv unterrichtet wird. Geld verdienen kann er mit der Musik allerdings nicht, und da ihn auch das Heimweh plagt, geht er zurück ins Delta, arbeitet dort als Traktorist und in der Freizeit als Musiker.

1948 zieht er wieder nordwärts, diesmal nach West Memphis, auf der Suche nach Sonny Boy Williamson II, den er im Delta kennengelernt hat und der in der Stadt täglich fünfzehn Minuten in einer kleinen Radiostation als Blues-Discjockey tätig ist. Nach einigen erfolgreichen Auftritten in der Radioshow erhält er erste eigene Engagements in der Stadt. Seine Zuhörer bekommen Ungewöhnliches zu hören:

Delta Blues und die Gospelpredigten der Holiness Church auf der einen Seite und der Pionier der elektrisch verstärkten Jazzgitarre Charlie Christian und dessen Fan und Freund T-Bone Walker auf der anderen sind die stilistischen Grundlagen der Musik des jungen Riley B. King. Dazu kommen, für einen jungen Amerikaner dieser Zeit äußerst ungewöhnlich, Einflüsse Django Reinhardts.

Die Radiostation WDIA in Memphis, die, eine Marktlücke frühzeitig erkennend, Ende der vierziger Jahre beginnt, ein Programm speziell für schwarze Hörer zu senden, beschäftigt King zuerst als Werbeträger für ein Arzneimittel, dann als Discjockey. Daneben spielt er unter anderem im Handy Park unweit der Beale Street.

1949 erhält der bereits recht populäre Sänger und Gitarrist die Möglichkeit zu Plattenaufnahmen. Den ersten Titel widmet er seiner Frau: “Miss Martha King“. Nach dem Riesenerfolg des “Three O’Clock Blues“ reist er mit einer nach dem Muster des Kansas City Jazz zusammengestellten Big Band durch das Land. Gleich zu Beginn erhält er Engagements in den drei größten Häusern schwarzer Unterhaltung: im Howard Theatre in Washington, D. C., im Royal Theatre in Baltimore und im berühmten Apollo Theatre im New-Yorker Stadtteil Harlem. Für das Jahr 1956 registriert er 342 Auftritte, sogenannte One Nighters, das heißt Auftritte an ständig wechselnden Orten. Bald ist er der “King of the One Nighters“. Ein solches Leben ist hart, aber B. B. King hat damit Erfolg. Mit Beginn der Rock’n’Roll-Welle ist er aber weniger gefragt.

In der Mitte der 60er Jahre fallen auch im Blues die Rassenschranken. Junge weiße Musiker wie Paul Butterfield und Mike Bloomfield spielen den Blues mittlerweile ebenso kompetent wie ihre afroamerikanischen Vorbilder. Trotzdem dauert es noch einige Zeit, bis sich die Erkenntnis allgemein durchsetzt, dass es neben der in Chicago vorherrschenden Spielweise auch andere moderne Bluesformen gibt. Mike Bloomfield kündigt 1966 einen Auftritt B. B. Kings in San Franciscos Fillmore West einem fast ausschließlich weißen Publikum damit an, dass gleich der beste aller lebenden Bluesgitarristen auf die Bühne komme. Sein aggressiver Vortragsstil, der Reaktionen des Publikums geradezu herausfordert, findet begeisterte Aufnahme.

Mit “The Thrill Is Gone“ spielt King erstmals eine echte Bluesnummer ein, die ein Streicherarrangement aufweist. Dieser Titel ist sein bisher größter Erfolg, er gelangt auch in die Pop-Hitparaden. In den siebziger Jahren wendet sich King mit seinen Platten an ein immer breiteres Publikum, was z.T. zu einer Verflachung seiner Musik führt. Daneben produziert er jedoch weiterhin ausgezeichnete Bluesplatten, z. B. die LP “In London“, auf der er von Musikern der britischen Rock-Blues-Elite begleitet wird. 1973 sitzt Stevie Wonder für die Aufnahme “To Know You Is To Love You“ am Piano. Ansonsten versucht sich B. B. King auch mit Philly-Sound und als Soulsänger, nimmt Werbespots für Colgate-Palmolive, Pepsi-Cola und A.T.& T. auf und schreibt die Musik für Fernsehserien.

Nebenbei wurde B.B. King zum meistbeschäftigten Globetrotter des Blues, trat bei internationalen Blues- und Jazz-Festivals auf und stattete im Namen des amerikanischen Außenministeriums mehreren afrikanischen Staaten einen Besuch ab. Auf einem seiner stärksten Alben der letzten Jahrzehnte versammelte er Mitte der 90er die Creme de la creme des Blues zu einem Gipfeltreffen. Hier kam es erstmals zu einem Duett mit dem anderen der damals größten lebenden Bluesmusiker: John Lee Hooker. Daneben sind beim „Blues Summit“ unter anderem auch noch Buddy Guy, Koko Taylor, Ruth Brown und Albert Collins im Studio dabei. Mit Eric Clapton spielte er danach auch noch bei „Riding With The King“ zusammen. Und mit den verschiedensten Produzenten erschienen immer neue Alben, während er scheinbar unermüdlich durch die Welt tourte.

 

 

Autor

Der Theologe Gary Burnett unterrichtet Neues Testament und neutestamentliches Griechisch am Queen’s University Institute of Theology in Belfast. In seinem Blog "Down at the Crossroads" veröffentlicht er Texte, die besonders den Bezügen zwischen Blues und Glauben nachforschen. In der Glaubensgemeinschaft, in der Burnett lebt, organisiert er außerdem jedes Jahr einen Bluesabend wo es nicht nur Live-Musik gibt, sondern auch gemeinsam über Musik und Glauben nachgedacht wird. http://downatthecrossroads.wordpress.com

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