Aretha Franklin

Früher nannte man sie Soul Sister Nummer 1. Später wurde Aretha Franklin zur unbestrittenen Queen of Soul. Der Rolling Stone kürte sie vor einigen Jahren gar zur besten Sängerin aller Zeiten. Und auch weit über die Musikwelt hinaus wurde die Pfarrerstochter nicht nur  zum Vorbild der Bürgerrechtsbewegung sondern auch zum Rollenvorbild für erfolgreiche Frauen. Ihr Auftritt bei der ersten Amtseinführung von Präsident Barack Obama war gleichsam das Symbol für den Beginn eines neuen Zeitalters.

Am 16. August 2018 ist Aretha Franklin im Alter von 76 Jahren in der Nähe von Detroit gestorben.

Zum größten Star bei Atlantic Ende der 60er wurde Aretha Franklin. Sie gewann allein zwischen 1969 und 75 jedes Jahr einen Grammy. Insgesamt hat sie 18 dieser Musikpreise erhalten.

Franklin wurde 1942 in Memphis geboren. Mit 14 Jahren nahm sie für das Chicagoer Chess-Label ihre erste Platte auf. Damals sang sie auf Anweisung ihres Vaters (eines äußerst einfluss- und erfolgreichen Predigers) nur Gospel. Mit 18 Jahren ging sie nach New York und ließ ihre zwei Kinder in der Obhut ihrer Großmutter zurück. Doch Columbia wollte sie als Jazzsängerin vermarkten, was nur wenig Erfolg hatte. Obwohl sie bis 1966 zehn Alben aufnahm, hatte sie keinen großen Hit.

Das änderte sich erst, als sie bei Atlantic unterzeichnete. Ihre erste Single für die Firma war 1967 „I Never Loved A Man (The Way I Loved You)“. Das war noch eine typische Ballade, wie man sie auch von ihren Aufnahmen bei Columbia kannte. Doch allein schon die andere Begleitung machte den Unterschied. Aufgenommen wurde das Stück in Muscle Shoals (Alabama) mit den dortigen Studiomusikern. Das Lied kam in die Top 10 und blieb sieben Wochen auf Platz 1 der R&B-Charts. Und selbst die Rückseite der Single, „Do Right Woman, Do Right Man“ kam noch in die Hitparade.

Weitere Erfolge kamen mit dem von Otis Redding geschriebenen „Respect“ (mit dem sie erstmals auch die Pophitparade anführte und Otis seinen Hit für immer entwendete), mit „Think“, „Chain of Fools“, „Natural Woman“,…  Drei Jahre lang kam Hit auf Hit. Und selbst die Alben, die von ihr veröffentlicht wurden, enthielten kaum Füllmaterial. Die Herren bei Atlantic hatten eindeutig die richtige Musik und die richtige Begleitung für Aretha gefunden. Ende der 60er Jahre machte ihr niemand mehr ihren Titel als „Soul Sister Number 1“ streitig. Und so war selbst der ursprünglich von der Plattenfirma so nicht gewollte Ausflug zurück in die Kirche eine erfolgversprechende Reise: Das 1972 erschienene Album „Amazing Grace“ verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal und war zumindest zeitweise das am besten verkaufte Gospelalbum aller Zeiten.

Irgendwann sagte mal ein Kritiker, Franklin könne sogar das Telefonbuch singen und daraus ein spirituelles Erlebnis machen. Doch in den 70ern geriet ihre Karriere ins Stocken, weil sie eben statt großartiger Songs nur noch mittelmäßige Lieder interpretierte. Dabei näherte sie sich auch immer mehr der beginnenden Disco-Welle an. Auch die Zusammenarbeit mit Percy Mayfield für den Soundtrack zu „Sparkle“ konnte den vorläufigen Niedergang ihrer Karriere höchstens verlangsamen. Es waren jüngere Sängerinnen wie Donna Summer oder Nathalie Cole, die ihre Rolle als Chefin im Ring übernommen hatten. Erst der Auftritt in dem 1980 veröffentlichten Film „Blues Brothers“ brachte ihre Karriere wieder etwas in Schwung. Sie veröffentlichte danach neue Platten (inzwischen bei Arista) und nahm Duette etwa mit George Benson auf.

Mit dem Duett „I Knew You Where Waiting For Me“ mit George Michael hatte sie in den 80ern ihren bislang letzten großen Hit. Danach versuchte sie immer wieder auf auf die aktuellen Entwicklungen der schwarzen Musik zu reagieren. Aber ehrlich: Mit Hiphop oder ähnlicher Musik passt die Queen of Soul kaum wirklich zusammen. Und auch ein Duett mit Pavarotti musste sie nicht wirklich aufnehmen. Aber noch immer ist sie sporadisch im Studio aktiv. Und auch bei Konzerten in den USA kann man die Queen of Soul mit viel Glück noch erleben.

Nach ihrer Krebsdiagnose im Jahr 2010 verlief eine Operation zunächst gut. Aretha konnte 2011 erstmals wieder in Chicago auftreten. Doch im Laufe der Jahre mussten aus gesundheitlichen Gründen immer wieder Konzerte abgesagt werden. Doch 2014 startete sie nochmals eine Tour durch zahlreiche Städte der USA. Ab Sommer 2017 sah man ihr allerdings den gesundheitlichen Verfall immer deutlicher an. In Konzerten forderte sie das Publikum auf, sie in ihre Gebete einzuschließen. Ihren letzten Auftritt hatte Aretha Franklin am 7. November 2017 bei der 25. Gala der von Elton John gegründeten AIDS-Stiftung in der New Yorker Kathedrale St. John The Divine.

Am 13. August wurde bekannt, dass der Krebs zurückgekehrt war. In den letzten Tagen kamen neben ihrer Familie auch langjährige Freunde wie Stevie Wonder oder Jesse Jackson zu Besuch. Am 16. August 2018 verstarb Aretha Franklin in ihrem Haus in der Nähe von Detroit.

Autor

Der Theologe Gary Burnett unterrichtet Neues Testament und neutestamentliches Griechisch am Queen’s University Institute of Theology in Belfast. In seinem Blog "Down at the Crossroads" veröffentlicht er Texte, die besonders den Bezügen zwischen Blues und Glauben nachforschen. In der Glaubensgemeinschaft, in der Burnett lebt, organisiert er außerdem jedes Jahr einen Bluesabend wo es nicht nur Live-Musik gibt, sondern auch gemeinsam über Musik und Glauben nachgedacht wird. http://downatthecrossroads.wordpress.com

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