Jessica Adams – Ballroom Blitz

Irgendwann ging die Manie mit den Listen los: Die fünf besten Lieder für einen verrgeneten Montagmorgen, an dem außerdem noch der Goldfisch beim Frühstück Selbstmord beging etwa. Nick Hornby hat das gemacht. Und alle machen es nach.

Wer nicht auf Anhieb die 100 besten Songs oder Alben seines Lebens parat hat, braucht in der Szene gar nicht erst aufzutauchen. Und wehe, da ist ein Lied von Billy Joel oder gar Tina Turner (etwa ab „Private Dancer“) dabei. Die Folge ist zumindest ein völliges Ignorieren der Diskussionspartner.

Schmerzfreier wäre nur die alternativ angebotene Steinigung mit anschließendem Teeren und Federn, die Vierteilung nicht nur der Plattensammlung sowie ein öffentliches Schmähen jedes einzelnen Tages, den dieser Elende sinnlos den Sauerstoff auf diesem Planeten verbraucht hat.

„Ballroom Blitz“ (englischer Originaltitel: Cool for Cats“) von Jessica Adams ist ein Roman, der mit so einer Liste anfängt. Die zehn Lieder, die mein Leben verändert haben. Die zehn Lieder meines Lebens wüsste ich so schnell nicht zu nennen, aber ich bin einfach auch keiner dieser Listomaniacs. Doch wie die Autorin hier in zehn Liedern die Jugend einer britischen Göre zwischen Kinks, Beatles und Punk schildert, das macht schon ganz schön viel Spaß.

Schon allein die Idee, die Heldin ihre Unschuld bei „Revolution No. 9“ von den Beatles verlieren zu lassen, ist großes Ekelkino. Da versteht man dann auch, warum Linda letztlich zum Punk werden muss. Einfach anrührend, wie „Waterloo Sunset“ von den Kinks aus der Depression nach dem Tod der Mutter herausführt. Und die Schilderung des Diebstahl der Sweet-Single „Ballroom Blitz“ von Sweet ist britischer Humor vom Feinsten.

Der Rest des Buchs ist für Punks ganz interessant. Für jemanden, der Punk und New Wave nicht so direkt miterlebt hat, sind die ständigen Verweise auf Konzerte mit allen möglichen Bands, auf Interviews von Linda als Reporterin usw. nicht wirklich mitreißend. Wer also nicht so viel Zeit hat: einfach bloß bis Seite 34 lesen. Und vielleicht kommt man ja dann dazu, wirklich mal nachzudenken, welche Lieder in seinem eigenen Leben eigentlich so wichtig waren, dass man darüber mehr als einen Satz verlieren könnte.

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