Bottleneck John ist einer von Europas besten Vertreter des Blues. Sein im letzten Jahr beim Opus Label veröffentlichtes Album „All Around Man“ ist eine wundervolle Sammlung traditioneller Blues-Songs und drei neuer Stücke. Es ist ein Album mit einer Menge großartigem Spiel auf akustischen Gitarren, inklusive exzellentem Slide-Spiel auf alten und modernen Resonator-Gitarren. Insgesamt ein toll produziertes und überzeugendes Blues-Fest! Interview von Gary Burnett (zuerst veröffentlicht auf Down In The Crossroads). Übersetzung: Raimund Nitzsche<br />   &nbsp;

Ein Interview von Gary Burnett

Johan, zuerst Glückwünsche zum neuen Album – es ist fantastisch. Bist Du zufrieden mit den Reaktionen, die es hervorgerufen hat?
Vielen Dank! Ja, das Album bekam rund um die Welt wunderbare Kritiken – und das ist für mich nicht weniger als ein Traum der in Erfüllung ging! Es gab einfach so viele positive Dinge, die diese Veröffentlichung ausgelöst hat, Menschen von überall suchen den Kontakt, um mir zu sagen, was ihnen das Album bedeutet. Ich bin gerührt und überwältigt, es ist eine Freude, die Musik mit so vielen zu teilen. Und in den Musikmedien war es das Gleiche, sowohl was die Soundqualität als auch was die Musik angeht. So bin ich ein stolzer und glücklicher Mensch!
 
Wie kommt ein Typ aus Schweden dazu, Blues zu singen. Und was ist es, was Dich bei den alten Blues-Songs berührt?
Das muss der gleiche Grund wie bei jedem Blues-Musiker irgendwo auf der Welt sein: Der Blues lässt mich etwas fühlen, was die meisten anderen Musikstile nicht schaffen. Ich werde von alten Blues, Gospel & Spirituals, Worksongs usw. berührt. Das ist die einfache Antwort, aber warum und wie das der Fall ist, das kann ich mit Worten nicht erklären. Der Blues kennt keine Grenzen und kümmert sich nicht darum, wo Du her bist. Jeder, der Höhen und Tiefen im Leben hatte, kann sich durch diese wundervolle Musik ausdrücken. Es ist alles darin. Und das mag ich!
Mein Herz ist für immer verwurzelt hier in den Wäldern und Bergen im Norden Schwedens. Meine Seele aber gehört eigentlich ins Mississippi Delta.  Wenn ich dort drüben bin, dann fühle ich mich in spiritueller Hinsicht zu Hause, dürfte schwer zu erklären sein, aber ich fühle es in meinen Knochen.
Die alten Blues-Aufnahmen, die wir auf 78er Platten hören, sind so direkt, so unwahrscheinlich tief, von Herzen kommend und wahr. Sie sind einfach einzigartig, Das ist das beste Wort, um zu beschreiben, was ich beim Hören fühle.
Und wenn ich die alten Klassiker live auf der Bühne spiele, dann klingen sie auf meine Weise, weil ich niemals die alten Bluesmusiker und ihre Lieder exakt nachspiele. Es fühlt sich großartig an, in der Lage zu sein, ein Old-School-Repertoire für heutige Bluesfans anzubieten. Wenn ich auftrete, dann singe ich normalerweise die originalen Texte, mache aber die Musik ganz zu meiner eigenen, nutze das Original nur als Plattform für neue Ideen.
 
Du bist ein äußerst talentierter Gitarrist – erzähl uns über einige der Bluesgitarristen, die dich beeinflusst haben, und von denen Du gelernt hast.
Da sind so viele, die Einfluss drauf hatten, wie ich ans Gitarrespielen herangehe, nicht im Detail, aber vom Gesamtgefühl her. Alte Meister wie Tampa Red, Blind Willie Johnson und Son House natürlich. Ich glaub, der Typ, der dafür verantwortlich war, dass ich mit dem Slide-Spiel begann, war ein Schwede namens Göran Wennerbrandt, der einige exzellente Sachen auf paar Alben von Eric Bibb gespielt hat. Da gibt es wunderbar geschmackvolle Sachen auf Bottleneck und Lapsteele! In den frühen Tagen meines Slide-Spiels hörte ich auch eine Menge von Corey Harris, da gibt es auf seinen ersten Alben wirklich feines Spiel zu hören.
Die Fähigkeiten von Blind Willie Johnson waren schlichtweg nicht von dieser Welt. Das ist die einfache Wahrheit, wie er sein Instrument beherrschte, war ehrfurchtgebietend. Auch Robert Johnson brachte die Dinge auf ein neues Level, und das macht auch Derek Trucks heute. Sein Slide-Spiele ist schlicht fantastisch!
 
Akustikblues ist äußerst lebendig zur Zeit – Leute wie Eric Bibb, Keb Mo, Guy Davis und so weiter sind sehr populär. Welche der heutigen Künstler hörst Du Dir gern an?
Natürlich die, die Du genannt hast. Aber ich höre auch sehr gern Doug MacLeod, er ist einfach fantastisch! Die Carolina Chocolate Drops und Paul Rishell sind andere gute akustische Rootsmusiker momentan. Es ist immer die Stimme, die mein Interesse zuerst erweckt, erst dann die Instrumente, die der Künstler spielt.
 
Ich glaub, Du hast eine interessante Sammlung von Gitarren. Erzähl uns über einige Deiner Lieblinge.
Ich habe einige alte Gitarren, Mandolinen und Banjos. Die hab ich in den letzten 15 Jahren oder so gesammelt. Angefangen hat das Finden und Reparieren dieser alten Stücke als ein Hobby. Inzwischen ist nicht mehr genug Zeit vorhanden, um nur aus Spaß zu Restaurieren. So repariere ich diejenigen, auf denen ich spiele. Es ist cool, das selbst machen zu können, das reduziert einige der Kosten, die es braucht, um ein Wrack wieder spielbar zu bekommen.
Was ich an diesen historischen Instrumenten mag, ist dass sie eine „Seele“, oder meiner Meinung nach „Mojo“ haben. Wie auch immer Du es nennst: sie sprechen zu mir und durch mich ganz anders als es eine moderne Gitarre kann. Vielleicht passiert das nur in meinem Kopf, aber so fühle ich es. Meine älteste spielbare Gitarre stammt ungefähr von 1840. Gebaut wurde sie in Deutschland. Durch die Jahre und die Gebrauchsspuren der Vergangenheit, bekomme ich beim Spielen ein großartiges Feeling. Und sie klingen natürlich auch perfekt für alten Blues.
Für das Album war es mein Ziel, den Hörern neben der guten Musik so viele verschiedene Gitarren wie möglich vorzustellen. Nicht, weil es nötig gewesen wäre, sondern weil es Spaß machte!
Ich denke, es kommt nur sehr selten vor, dass eine solche Vielzahl alter und neuer Resonator- und Akustikgitarren auf einem einzigen Album aufgenommen werden. Und das kann man in der guten Soundqualität hören, die das Markenzeichen von Opus 3 Records ist.
Auf der CD hören wir 19 verschiedene Saiteninstrumente aus meiner Sammlung neben anderen Instrumenten wie Konzertflügel, Tuba, Mundharmonika, Hammondorgel und Kontrabass.
Um hier ein paar Favoriten aufzuzählen: Da haben wir eine Dobro von 1936 mit Metallkörper und Fiddle-Kante, eine wunderbare alte Gitarre. Eine 1914er Levin mit schönen Einlegearbeiten, eine in Schweden gebaute Salon-Gitarre. Dann haben wir noch eine National Duolian von 1933, die ultimative Resonator für Blues nach Meinung vieler Musiker (mich eingeschlossen). Die gibt einen tiefen heulenden Ton von sich. Gespielt wird auf dem Album auch eine 12-saitige Resonator, die ich selbst aus eine sechssaitigen hergestellt haben. Selbst eine einsaitige Zigarren-Kisten-Gitarre, ein Diddley-Bow kann man beim letzten Lied von „All Around Man“ hören.  
Da ich mich so sehr für alte Gitarren und Mandolinen interessiere, wollte ich die Gelegenheit nutzen, diese Klänge mit Blues- und Gitarrenfans überall zu teilen. Ich hoffe, Ihr steht auf diese Idee!
Wenn ich live spiele, wechsle ich die Instrumente häufig und verwende für verschiedene Auftritte verschiedene Modelle. Meine historischen Instrumente bring ich aber nur zu Konzerten mit, wenn ich weiß, dass sie dort sicher sind. Manche Läden sind in der Beziehung etwas unsicherer und dort bringe ich dann neuere Versionen, Klone der alten Nationals und Dobros mit.
 
Den Blues hat man oft „Musik des Teufels“ genannt. Aber daneben gibt es auch eine lange Geschichte von Gospel-Blues. Und  einige Lieder auf Deiner neuen Platte sind Gospel-Blues – offensichtlich fühlst Du dich mit diesen ebenso wohl wie mit Spirituals. Wie kommt das? Was ist an diesen Songs auch im 21. Jahrhundert noch relevant?
Des Herrn Antwort auf die Musik des Teufels! Das ist eine Weise, die alten Gospel-Blues zu bezeichnen. 
Es hat etwas von einem Zeitsprung, es ist berührend und großartig, diese frühen, tief religiösen Lieder zu singen. Und ich mach das bei jedem Auftritt. Melodien und Texte erzählen von Arbeit, Mühen und Leiden, das die Menschen aushalten, aber auch von dem warmen Mitgefühl und dem echten Glauben an Gott, der ihnen Kraft zum Weitermachen gab.
Damals spielten Musiker am Samstag Blues in den Juke Joints und am nächsten Morgen spielten die gleichen Musiker Gospelmusik in der Kirche. Die Texte waren verschieden, aber die Musik blieb die Gleiche.
Es ist keine religiöse Ursache, welhalb ich Gospel und alte Spirutals singe sondern ich mach es aus dem wichtigen historischen Anteil, den sie für diese Musik haben. Und sie verdienen es definitiv, weiterhin gespielt zu werden. Ich will dabei helfen, die Tradition am Leben zu halten.
Für mich ist es fast genauso wichtig, die Geschichte und die Hintergründe der Musik zu kennen und weiterzugeben wie die Musik selbst zu spielen!
 
Was hält 2014 für Bottleneck John noch bereit?
Später im Jahr wird es hoffentlich ein neues Album geben, ich freue mich sehr darauf, mit den Aufnahmen bei Opus 3 anzufangen. Tourneen und Gigs hier und da gibt es wie üblich. Das ist überhaupt das Beste daran, ein reisender Musiker zu sein: neue Orte zu besuchen und neue Zuhörer zu treffen!