Die Jacksonville Connection in München

Lange angekündigt und mit Spannung erwartet: Das Konzert der Tedeschi Trucks Band am 25. April 2014 in der Münchener Tonhalle. Nicht sonderlich beachtet und daher völlig als Support act unterschätzt: JJ Grey & Mofro. Das Konzert der amerikanischen Soul, Blues und R&B Supergruppe Tedeschi Truck Band TTB war mit der Frage verknüpft, ob sie den Sound und Groove der 11 Mann starken Band in der ca 2000 Personen fassenden Tonhalle rüberbringen.
 

Tedeschi Trucks Band und JJ Grey & Mofro in der Tonhalle. Text: Mario Bollinger. Fotos: Christophe Rascle

Als Pressevertreter hat man den Vorteil, dass man sich auch im Backstagebereich tummeln darf. In der Tonhalle war das ein sehr offener Bereich zwischen der Bühne und den Räumlichkeiten des VIP-Bereichs. Die Halle füllte sich innerhalb einer Stunde. Pünktlich erschien JJ Grey & Mofro auf der Bühne und es war ab der ersten gespielten Note Stimmung in der vollen Tonhalle. 

Mit den 2 Bläsern wurde klar, wo JJ Grey seine Wurzeln hat. Seine rauhe, brüchige Stimme, ein minimales, aber effizientes Schlagzeug, sehr trocken gehaltenen Gitarren und Bass und ein Keyboarder brachten Soul und R&B auf die Bühne, wie es heißer fast nicht geht. Der Gitarrist glänzte an einer Lapsteel, deren Schrammen und Kerben nicht nur vom engagierten Spielen stammt, sondern vom Einsatz an den Schlagzeugbecken. JJ Grey selbst fügte neben dem Gesang noch gutes Gitarrenspiel bei.

Schnell war uns klar, dass hier mehr als ein Opener oder ein Support Act auf der Bühne steht. Und tatsächlich gab JJ Grey selbst die Erklärung, warum gerade er mit einer solch groovenden Band auf der Bühne steht: Er und Derek Trucks kennen sich aus beider Heimatstadt Jacksonville und daher freut es ihn natürlich, für Derek den Opener zu machen.

In der Tat findet man sehr viele Parallelen zwischen den beiden Bands, obwohl JJ Grey & Mofro doch eine Spur erdiger und rauer als die Band seines Kumpels Derek ist. Ich habe mir spontan nach dem Konzert einige CDs besorgt und bin seitdem ein JJ Grey & Mofro Fan. Auch im Crossroad Cafe vom 98.1 ist JJ Grey & Mofro gespielt worden, wobei mir das positiv im Unterbewusstsein hängen blieb. Déjà-vu oder besser: Deja-ecouté.

Das Publikum war altersmäßig gut gemischt. Ein Mann der Security hatte seinen Filius dabei, der begeistert im Backstagebereich Photos schießen durfte. Der Vater sagte lachend: Wenn mein Sohn mit 18 Jahren solche Musik hört, dann kann nichts falsch sein. Ein anderer Musikfan erzählte mir, er hätte von 10 Jahren schon die Derek Trucks Band in München gesehen. Damals waren es aber nur ca. 30 Gäste und Derek kam noch zum Gespräch mit Fans von der Bühne. Im Publikum sieht man ausnehmend viele Fans mit Allman Brothers Band T-Shirts, die sich wohl im Zusammenhang mit Derek Trucks mehr an dem Southern Rock der ABB erinnert fühlen wollen. Nicht zu vergessen: Derek Trucks und Warren Haynes haben der ABB gerade einen quasi Todesstoß versetzt und da muss man als Fan schon schauen, wo man bleibt.

Nach dem Opening wurde es unruhig im Backstagebereich. Es erschienen einer nach dem anderen die elf Musiker der TTB. Ich traf Susan Tedeschi nach dem Interview noch mal am Wartungsstand von Bobby Tis beim Stimmen ihrer Gitarren. Meinen Zuruf “have a good Show” quittierte sie mit einem zuckersüßen “Thank you”. Derek geisterte auch schon mit seiner frisch präparierten Gibson SG herum.

Als schließlich alle Musiker der Tedeschi Trucks Band auf der Bühne waren, setzten sie die von JJ Grey & Mofra hinterlassene Stimmung fort, in dem sie am Anfang gleich mal “Don’t let me slide“und “Rollin’ & Tumblin’“ spielten. Das Stück mit Susan Tedeschi als Sologitarristin kennen wir ja schon von der Live CD “Everybody’s talkin’“ . Es zeigt, dass Susan nicht nur Soul in der Stimme hat, sondern den Blues auch auf der Gitarre zelebrieren kann.

Es waren viele Songs von den vergangenen Alben aber natürlich vornehmlich von “Made up Mind” zu hören. Im Interview sagte Derek, dass die Band auf der Bühne sehr viel improvisiert genau so wie es die alten Blues- und Jazzbands gemacht haben. Jeder in der Band hört genau zu und kann sofort in eine Improvisation einsteigen. Derek Trucks führt das Zepter, während er in seiner bekannten Art fast unbeweglich auf der Bühne steht. Er verteilt Solos, er bestimmt, wo es lang geht an diesem Abend. Es gibt zwar eine Setliste, aber wenn es der Band gefällt, wird die Liste umgestellt oder ganz neue Nummern gespielt. So gab es im Laufe des Abends es mehrere Nummern, die mir nicht von den Alben bekannt waren. Intros wurden ebenso improvisiert, was der Spielfreude der Band Ausdruck verleiht. Unveröffentlichte Nummern wie “Leavin’ trunk” gaben dem Keyboarder Freiheiten, im Sound zu experimentieren. “Same old Blues” und “Palace of the King” waren auch Überraschungsnummern, die man bisher auf keinem Studioalbum findet. Überhaupt scheinen die Konzerte der TTB Familienfeste zu sein. Alle Musiker stehen permanent im Blickkontakt, lachen und werfen sich Kommentare zu. Der Drummer von JJ Grey fegte völlig angetan und groovend im Backstageraum herum, die Bläser kamen runter, witzelten und kamen wieder zum Einsatz auf die Bühne.

Leider ist der Sound für eine so große Band in der Tonhalle nicht ausreichend differenziert genug, so dass es ein ziemlich breiiges Konzert wurde. Die Bläser konnte man nur erahnen, auch die Solos von Derek Trucks gingen ein wenig im Klangsumpf unter. Das einzige Soundhighlight waren die Stimmen vornehmlich von Susan Tedeschi, aber auch vom Backgroundsänger Mike Mattison. Meiner Meinung nach ist Mike Mattison mit seiner selbstgewählten Position im Background unterschätzt und um so mehr waren die 2 Songs mit ihm als Leadsänger eine Bereicherung.

Als Zugabe gab es eine lange Improvisation über “Take you Higher” von Sly and the Family Stone. Und gerade das Thema spaltet die Fans: Die Einen kamen mehr, um Derek Trucks als Erben der Allman Brothers Band zu hören und waren vom neuen Soul der TTB maßlos enttäuscht. Die Anderen wollen genau diesen Soul, Blues und R&B, wie er von der Tedeschi Trucks Band, aber auch von JJ Grey&Mofro neu inszeniert wurde. Wenn der Sound besser gewesen wäre, hätten wir einen echten Leckerbissen gehabt.
 

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