The Reverend Peyton’s Big Damn Band oder: Die Familienbande vom Lande

Der Bluesman als Geschichtenerzähler und politischer Kommentator zur Zeit: Das war einmal. Heute gibt‘s so eine Haltung bei Musikern eher selten. Und wenn, dann spielt sich deren Karriere eher bei Gewerkschaftsversammlungen oder Liedermacherfestivals ab. The Reverend Peyton‘s Big Damn Band sind da die große Ausnahme: Wenn sie spielen, dann tanzen alle von den Breakdancern über Punks bis hin zu traditionellen Line-Dancern. Wenn dieses Trio auftritt, dann brennt die Luft. Denn diese Band ist so ziemlich das heißeste, was dem traditionellen Blues in den letzten Jahren passiert ist.

Sie kommen vom Lande und sind stolz drauf. Die große verdammte Band des Reverend Peyton besteht zwar nur aus drei Leuten: dem Reverend als Sänger und Gitarristen, seiner Frau Breezy am Washbrett und seinem Cousin Jayme am Schlagzeug. Doch schon beim ersten Ton der Truppe ist klar: Hier ist eine verdammt große Band am Werke. Und mit „Between The Ditches“ haben sie ein neues Album vorgelegt, dass zwar die rauhe Energie der früheren Werke nicht vermissen lässt, dass aber gleichzeitig auch offener ist für lyrischere Zwischentöne. Und das liegt auch daran, dass das Trio gemeinsam mit Paul Mahern das Album nicht (wie die Vorgängerwerke) einfach live eingespielt, sondern wirklich „produziert“ hat. Dass dabei die Härte und Direktheit der früheren Zeiten nicht verloren ging, liegt natürlich auch an Mahern, der auch schon Iggy Pop produziert hat. Aber auch das Mastering von Brian Lucey (Dr, John, Black Keys) hat dazu einiges beigetragen. Aber fangen wir die Geschichte ruhig am Anfang an. Und das ist eigentlich die Geschichte einer Krankheit.

Schon als Kind hörte Reverend Peyton (von welcher Kirche er ordiniert wurde, weiß ich noch immer nicht) begeistert den uralten Country-Blues von den Platten seines Vaters. Besonders die Musik von Charley Patton hatte es ihm angetan.

Für ihn gibt es nur einen King des Delta Blues. Wer bestreitet, dass dies Charley Patton ist, dem droht Reverend Peyton Prügel an. Also vergesst in diesem Zusammenhang den Namen Robert Johnson lieber!

Pattons einmaliges Gitarrenspiel – ein Fingerstyle- Picking, bei dem Bass, Begleitung, Melodie und Rhythmus gleichzeitig und unabhängig von allen Fingern der rechten Hand gespielt werden, gehört noch immer zu den virtuosesten Glanzleistungen der Bluesgeschichte. Selbst Robert Johnson zeigte sich davon beeindruckt und orientierte sich in seinem Spiel daran (wie natürlich auch an den Spielweisen von Kokomo Rarnold und Son House). Doch dann erlitt Peyton als Jugendlicher eine Lähmung, die zu Schmerzen in den Händen führte. Die Ärzte waren der Meinung, dass er wahrscheinlich nie wieder seine linke Hand zum Gitarrespielen würde nutzen können. Doch nach Monaten der Schonung waren die Schmerzen nicht nur verschwunden, auch war die linke hand danach wesentlich flexibler geworden. Und so konnte er sein Gitarrenspiel weiter perfektionieren. Damals lernte er auch seine heutige Frau Breezy kennen, die mit ihrem heftigen Spiel auf dem Waschbrett und dem Background-Gesang entscheidend zum Sound der „Big Damn Band“ beiträgt. Und als die Band mit Cousin Aaron Persinger einen Drummer gefunden hatte, geht die Geschichte erst richtig los.

„Wir haben alles, was wir besaßen in einem großen Hofverkauf verkauft und haben uns auf den Weg gemacht“,

erzählt Peyton. Am Anfang traten sie nur in der Region auf, doch schneller als gedacht wurden sie bekannt. Plötzlich hatten sie allein aus ihrem Bandbus heraus 5000 Kopien ihres ersten Demos verkauft. Dann nahmen sie 2006 „Big Damn Nation“ auf und gingen damit auf Tour. Und auch das funktionierte. „Es ist ein harter Weg, aber ich denke, dass in diesen Zeiten das der Weg ist, um deine Musik zu den Leuten zu bringen. Radios werden uns niemals spielen, verstehst Du, was ich meine?“

Mittlerweile spielen sie weltweit mehr als 250 Konzerte im Jahr. Und das mit allen möglichen anderen Bands vom Punkrock bis zu Bluegrass und Rockabilly. Und das funktioniert, denn hier sind Musiker am Werke, die voller Leidenschaft ihre Stücke herausrotzen wie die letzten Punks, die aber gleichzeitig auch nie vergessen lassen, dass sie eine ernstzunehmende Bluesband sind. Beeinflusst wurden sie von den Country-Bluesern der ganz frühen Zeit, von Son House etwa oder von Furry Lewis. Und sie scheren sich einen Dreck drum, sich lächerlich zu machen – wer ein Video wie das zu ihrer aktuellen Single „Clap Your Hands“ produziert, zeigt, dass es ihm wirklich nicht auf Schönheitswettbewerbe oder ähnliches ankommt, sondern allein auf ihre Musik. Einen großen Durchbruch hatten sie, als die irische Rockband Flogging Molly sie mit auf Tour nahm. Bei einem Festival hatten sie die Familienbande gesehen und spontan engagiert. Und hier hatten sich Band aus verschiedenen Kulturkreisen getroffen, die mit den Traditionen ähnlich umgingen: So wie der Reverend den Blues mit aktuellen Texten zu den alltäglichen Problemen der Gegenwart singt (etwa über das Ende der traditionellen Country Stores durch die allgegenwärtigen Wall-Marts, über Probleme, die Rechnungen zu zahlen oder was auch immer), so machen Flogging Molly das mit dem Irish Folk.

„Wir kommen von der gleichen Tradition wie auch Charley Patton und Furry Lewis; die sind einfach mit ihren Instrumenten losgegangen und durch die Welt gezogen. Und sie haben davon gesungen, wo sie in ihrer Zeit durchmussten – und wir machen das gleiche in unserer.“

Wobei die Texte sehr direkt sind, ob es nun darum geht, dass er zu arm ist, sich eine Krankenversicherung zu leisten oder darum, dass er einfach Mama Peytons Bratkartoffeln vermisst: Reverend Peyton kommt ohne Metaphern oder Symbole aus. Direkt lässt er die Leute wissen wie es ihm geht. Und auch das verbindet ihn mit den Meistern des Country-Blues. „Vielleicht könnte ich in einer anderen Musikrichtung damit durchkommen, Zeugs zu erfinden, aber dieser Musikstil ist zu ehrlich; du kannst die Leute nicht belügen, weil sie es sofort durchschauen.“

Wobei die Texte sehr direkt sind, ob es nun darum geht, dass er zu arm ist, sich eine Krankenversicherung zu leisten oder darum, dass er einfach Mama Peytons Bratkartoffeln vermisst: Reverend Peyton kommt ohne Metaphern oder Symbole aus. Direkt lässt er die Leute wissen wie es ihm geht. Und auch das verbindet ihn mit den Meistern des Country-Blues. “Vielleicht könnte ich in einer anderen Musikrichtung damit durchkommen, Zeugs zu erfinden, aber dieser Musikstil ist zu ehrlich; du kannst die Leute nicht belügen, weil sie es sofort durchschauen.”

Homepage: www.bigdamnband.com

The Reverend Peyton’s Big Damn Band “Devils Look Like Angels” from Johnny B on Vimeo.

 

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