Mavis Staples – One True Vine

Für „You Are Not Alone“, ihrer ersten Zusammenarbeit mit Jeff Tweedy hatte Mavis Staples ihren ersten Grammy bekommen. Nur die Kategorie „Bestes Americana Album“ war verwunderlich. Denn ebenso wie das in gleicher Besetzung entstandene „One True Vine“ war es eigentlich ein Gospelalbum.

Diese Stimme braucht keine große Untermalung: Gitarre, Keayboard ab und zu ein paar gezielt eingesetzte Bläser und natürlich die passenden Background-Sängerinnen und -Sänger. Jeff Tweedy spielt die meisten Gitarren und Keyboards gleich selbst. Sein Sohn Spencer sitzt am Schlagzeug. Und gemeinsam schaffen sie eine melancholische und oft auch düstere Atmosphäre für Staples Predigten. Denn auch wenn hier Songs etwa aus dem Indie-Rock oder dem P-Funk von George Clinton stammen: Bei ihr wird daraus tiefer, von Herzen kommender und direkt ins Herz zielender Gospel. Sie singt davon, dass sie Gnade gefunden hat in dem von Tweedy geschriebenen „Every Step“. Aber wenn sie das tut, ist das fern von dem jubilierenden Klang jugendlicher Chöre. Hier singt eine Frau, die ihr Leben lang auf dem Weg im Glauben geblieben ist durch alle Anfechtungen und Finsternisse hindurch. Und dann bleibt einem irgendwann diese melancholische Gelassenheit und Zuversicht, die auch vor dem Tod keine Angst mehr zu haben braucht. Eigentlich nur in „Woke Up This Morning (With Jesus On My Mind)“ bringt den Groove etwas heftiger und traditioneller zur Geltung. Ansonsten ist das ein ruhiges und sich erst beim mehrfachen aufmerksamen Hören erschließendes Album voller Schönheit und Glauben. So etwas würde ich mir auch mal von Aretha Franklin wünschen.

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