Es liegt nicht nur an dem Timbre in ihrer Stimme, dass Norah Jones reifer erscheint als ihre 22 Jahre es vermuten lassen. Ihre sichere Phrasierung und ihr präzises Gespür für das Timing sind sonst ebenfalls eher bei älteren Sängerinnen zu finden. Sie ist sofort unverkennbar, sie verbindet Anlehnungen an Billie Holiday und Nina Simone, klingt aber letztlich nur nach sich selbst. Ganz gleich, wie man es betrachtet, sie ist eine Sängerin, mit der zu rechnen sein wird.

Allein schon für ihre Darbietung des Hank-Williams-Klassikers „Cold Cold Heart“ und Hoagy Carmichaels „The Nearness Of You“ lohnt sich der Preis dieser CD. Ihre eigenen Stücke verblassen ein wenig im direkten Vergleich zu solchen Meisterwerken. Sie und ihr Produzent Arif Mardin hätten sich besser für einige lebendigere Arrangements entschieden und die brillanten Begleitmusiker Bill Frisell, Kevin Breit und Brian Blade entsprechend eingesetzt. Es wäre auch hilfreich gewesen, wenn die Melodien nicht ganz so gleichgültig interpretiert worden wären. Jones hat alle Mittel zu ihrer Verfügung: Mit ein wenig mehr Erfahrung und nach intensivem Anhören von Künstlern wie J. J. Cale und Shirley Horn, wird sie das Talent entwickeln, gedämpft zu bleiben, ohne schläfrig zu wirken. Manchmal ist weniger also doch nicht mehr. –Michael Ross
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