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Dienstag, 13 April 2010

Joe Bonamassa - Black Rock

Blues

Joe Bonamassa - Black Rock

Wenn es im Musikbusiness je eine gelungene Karriereplanung gab, dann im Falle Joe Bonamassas. Wie jedes Jahr ist er mit einer aktuellen CD auf dem Markt. Black Rock heißt die aktuelle Scheibe.


Bonamassa  war eine Art Wunderkind des Blues, der Sohn eines Gitarrenhändlers war schon extrem früh im Business erfolgreich, schon mit 12 Jahren spielte er mit B.B. King und anderen Größen. Vergleichbar ist er mit Derek Trucks, der auch schon mit 15 bei den Allman Brothers spielte. In den letzten Jahren hat er sich durch fleißiges Touren ein treues Publikum erspielt, das offensichtlich auch bereit ist, noch CDs zu kaufen. Die letzten beiden Scheiben lagen schon in diversen Mediamärkten nicht im Friedhof der Abteilung Jazz/Blues, sondern an der belebten Ecke der aktuellen Neuerscheinungen. Das dürfte lange keinem Bluesmusiker widerfahren sein. Dabei war die Karriere kein Selbstläufer, trotz der Wunderkind-Zeit. Auf der DVD „Live at the Royal Albert Hall“ vom letzten Jahr erzählt er vor den 4000 zahlenden Gästen im Publikum, dass er 4 Jahre vorher seinen ersten Gig in London in einem Pub vor 15-16 Leuten hatte.

Seine ersten Platten mag er heute nicht mehr so, sagte er in einem aktuellen Interview zur neuen Scheibe und erwähnt die Platte „Had to Cry today“, was mich überrascht. Gerade diese CD ist mit ihrer rauen Energie, dem ungeschliffenen Gesang und der abgefahrenen Gitarrenarbeit eines seiner besten. Bei der Version von "Had to cry today" dürften Clapton und Winwood die Ohren geklingelt haben.

Mittlerweile hat er die harten Zeiten hinter sich, im Abspann der Albert-Hall- DVD sitzt er entspannt plaudernd im Armani-Anzug und trinkt Rotwein. Clapton war bei einem Titel auf der Bühne, er trug Versace. Mehr ist über diesen Teil der Show und Claptons Spiel auch nicht zu sagen.

Das war mal anders: Die Rockpalast-DVD von Bonamassas einstigem Trio ist explosiv, rauh, voller Attack. Der Bassist trägt auf seiner Weste den Spruch „Fuck you, I have enough friends“ und so spielen sie auch. Großartig. Noch die Platte vom letzten Jahr (John Henry) war voll von dieser Energie, große Songs, harte Gitarren wechseln sich ab mit dezenteren Klängen.

In der Albert- Hall spielt er mit zwei Drummern (hört man aber nicht), mit Bläsern und mit Keyborder. Musik mit Keybordern, das weiß ich aus meinen Bands, ist wie Sex mit Gummi: es ist sicher, aber es macht weniger Spaß. Und es ist alles immer etwas gepflegter.

Unmittelbar nach dem Konzert flog die Band nach Griechenland, um dort das Album „Black Rock“ aufzunehmen. Ich weiß nicht, ob das die Vibes der Scheibe beeinflusst hat, kann man in Griechenland Rockmusik schreiben? Also Musik mit Attitüde, mit Aggression, mit Cohones? Mit Kick in the Ass?

Die Stones konnten es, Midnight Rambler, einen der dunkelsten Songs von Let it bleed, schrieben Mick und Keith in Griechenland. Nun, die Platte hier klingt eher, wie ein typischer Griechenlandurlaub ist: ganz nett. Diesmal sind weniger eigene Songs dabei, er covert z.B. mit „Spanish Boots“ einen alten Song der Jeff Beck Group, der ist wirklich Spitze! Und das Duett ist auch sehr nett! Mit B.B. King natürlich, der Song heißt „Nightlife“. Selbst ein Song von Leonard Cohen ist dabei („Bird on a Wire“).

Aber mussten die Griechen mit den Bouzukis oder wie immer diese Dinger auch heißen, wirklich sein? Weltmusik mag für Intellektuelle ja das Non-plus-Ultra sein, aber eigentlich ist es eine Art Oberhofer Bauernmarkt auf griechisch, mexikanisch oder...(hier bitte entsprechende Ethnie eintragen). Rock´n´Roll ist anders. Auch die Stimme Bonamassas ist irgendwie klarer geworden, er knödelt immer noch wie früher, aber der Dreck ist weg, was eigentlich schade ist. Ansonsten ist alles dabei, die 6/8 Slow-Blues- Ballade bis zur Slide-Akkustik-Nummer, für jeden etwas dabei.

Gitarristisch lässt er nichts anbrennen, das ist perfekt. Es gibt keinen Gitarristen in dieser Richtung, der technisch und klanglich so versiert ist. Derek Trucks ist musikalisch breiter orientiert und auch in Hard-Core-Jazzgefilden unterwegs gewesen (die Scheibe „Guitars“ von McoyTyner enthält Stücke mit ihm), aber er ist soundmäßig und von der Dynamik her etwas festgelegter. Bonamassa kann härter spielen als Gary Moore, vermutlich auch schneller (das gilt in Blueskreisen immer noch als Maßstab), aber er ist eben auch akkustisch und auf der Slide-Gitarre unglaublich. Und er kann auch leise und zart, das kann Gary Moore nicht.

Auch soundtechnisch ist er weiter als viele, er spielt mindestens 3 Amps, für clean-, crunch- und highgain- Sounds je Eigene, er wechselt oft die Gitarren und ist auf der Strat ebenso zu Hause wie auf der Les Paul (die er Live wohl bevorzugt), was seinen Klang abwechslungsreich macht. Und eben nicht nur Pentatonik, kleine Terzen über Dur, sondern  modernere Skalen sind genauso da, vermutlich könnte er ebenso in einer Trash Metal Band spielen.

Dazu passt, dass sein nächstes Projekt eine Platte mit Glenn Hughes sein wird, so jedenfalls war es im Interview zu lesen. Der Ex-Bassist und Teilzeitsänger von Deep Purple Mach III ist als Funk-Freund genauso bekannt wie als versierter Sänger, das kann spannend werden.

Insgesamt eine gute Platte, die im Vergleich zur letzten weniger aufregend ist, aber trotzdem eben hörenswert ist. Vielleicht ist es das Brave, das Geplante, das Bankkaufmann-artige und Armani- hafte, was mich noch stört. Bonamassa ist der versierteste Blueser dieser Tage, aber er wird keine Ikone werden wie Steve Ray Vaughn, ihm fehlt das Gebrochene, das Zerissene, das Kaputte. Und das hört man eben auch an seiner perfekt eingespielten Platte.

 


 

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Kommentare

Recht hat er, der olle Holger. Das Konzert war Gänsehaut inclusive.

steve steve

Zuhören, mitgrooven ... auch gerade live ein Erlebnis, mit ungeheurer Spielfreude spielen die Herren auf ... die CD spiegelt dies...

Torsten Rolfs Torsten Rolfs

Jaaaa das ist eine tolle Scheibe, nur reingehört bei amazon ... aber die muss ich im Regal haben herrlich ... und ohne Bass und Gitarre,...

Torsten Rolfs Torsten Rolfs

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